blogage.de > eule70 > Mit den Augen einer alten Eule
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...aber in meinem Kopf geht alles durcheinander, und ich kann es nicht formulieren.

  1. Das Ölembargo gegen den Iran und die Kriegsgefahr, die daher droht.
    Darüber hat der Kranich einen sehr nachdenklichen Post geschrieben, den ich voll nachvollziehe. Dabei bin ich selbst "betroffen", denn ich habe den Aufruf auch nicht unterschrieben – und einer, den ich unterschrieben hätte, war nicht da. (Hättest ja selbst mal einen Aufruf formulieren können, dumme Eule, oder?....)

  2. Die Bespitzelung der Linken-Abgeordneten.

  3. Die bei den Untersuchungen über die rechtsextremen Morde immer deutlicher werdende Rechtslastigkeit nicht nur des Verfassungsschutzes und der Polizei, sondern unserer gesamten Politik. Wobei Punkt 2 und 3 natürlich zusammengehören.

  4. Das Hin und Her um den Euro-Rettungsschirm.

  5. Die Nachricht, dass unsere Wirtschaft boomt, dass unsere Unternehmen zufrieden sind wie nie, und die Arbeitslosigkeit ganz gering sei – was bekanntlich viel mit geschickt aufbereiteten Statistiken zu tun hat – und die Kluft zwischen Arm und Reich wird weiter größer.

  6. Die Costa Concordia. Davon habe ich heute Nacht geträumt, dass ich dabei war.

  7. Das unerträgliche und immer kleinkarierter werdende Gezerre um die Angelegenheit Wulff. Davon habe ich immer mehr den Eindruck, dass es vor allem dazu dienen soll, uns von den wichtigen Themen abzulenken – vor allem natürlich vom Punkt 1.

Nein, ich kann dazu nichts schreiben.

 

 

Seit Tagen summt es mir im Kopf und überschattet alle anderen Katastrophenmeldungen:

Und Minz und Maunz die Katzen,
erheben ihre Tatzen.
Sie drohen mit den Pfoten:
"Der Vater hats verboten !
Miau! Mio! Miau! Mio
!Lass stehn! Sonst brennst du lichterloh!"

Der Vater sagte, er hätten den Kindern doch immer wieder eingeschärft, wie gefährlich das mit dem Feuer ist.

Er und die Mutter und das Kleinkind waren unten und merkten gar nicht, was die drei Jungens, fünf, vier und zwei Jahre alt, da oben machen. Die Untersuchungen haben jetzt ergeben, dass sie wohl selbst gezündelt haben.

Zwei Strophen weiter sagen die Katzen in der Geschichte vom Paulinchen:

"Miau! Mio! Miau! Mio!
Wirfs weg, sonst brennst du lichterloh!"

Haben sie dass brennende Streichholz weggeworfen? Man weiß nur: statt hinunter, sind sie hinauf ins Dachgeschoss gerannt und haben sich versteckt. Und dort brannte es schnell lichterloh.

Nein, am lebendigen Leib verbrannt, wie Paulinchen, sind sie nicht. Man fand sie zusammengekauert, tot. Also Rauchvergiftung.

Entsetzlich.

Die Familie hat jetzt noch drei Kinder. Die zwei ältesten waren zu der Zeit in der Schule.

Das Haus ist unbewohnbar. Man spendet. Aber was ist das schon.

 

 

2011 - Dönermorde – das war richtig!

Ein ekelhaftes Wort. Zynisches Verächtlichmachen der Opfer, Verniedlichen der Taten.

Es wurde in der ersten Zeit der Ermittlungen von der Polizei allen Ernstes als Bezeichnung für diesen Fall verwendet – weil man die Ermittlungen auf den Umkreis dieser Geschäfte und Imbissbuden beschränkte – oder damit man dies möglichst lange tun konnte? Wenn ich daran denke, wie stark unsere Polizei doch leider extrem-rechts durchsetzt ist, scheint mir das letztere nicht völlig abwegig.

Ein weiterer Favorit für das Unwort des Jahres 2011 war das Wort "Gutmensch" gewesen. Das hat mich erstaunt, denn dieses grässliche Wort gibt es doch schon lange. Ich hatte in meinem alten Blog schon 2005 in der Kategorie "Worte, Worte" verschiedene Einträge über Worte geschrieben, die zum Schlechtmachen dienen; das erste davon war "Gutmensch", womit man Leute schlechtmachen will, die etwas für andere tun ohne einen materiellen Vorteil davon zu haben – was in unsere neoliberale Konsumgesellschaft offenbar nicht hineinpasst. Die Unwort-Jury erklärt, dieses Wort sei 2011 sehr häufig im Internet aufgetreten.

Ich habe jetzt erfahren, dass jeder Mensch Vorschläge für ein Unwort des Jahres machen kann. Ich überlege, ob ich für 2012 eines meiner "alten" Wörter vorschlage. Ich denke da an"Gleichmacherei"; das ist noch schlimmer als "Gutmensch", denn das diskriminiert nicht nur einzelne Menschen, sondern ein ganzes System, nämlich den Gedanken an Gerechtigkeit ohne Ansehen der Person.

Mal sehen, vielleicht schicke ich das mal ein. Es ist ja noch fast ein Jahr Zeit. Vielleicht kommen ja in diesem Jahr auch noch ganz andere, schlimme Worte.

 

Das sollte jetzt jedem klar sein:

Pressefreiheit ist die Freiheit der Pressemogule.
Nicht etwa die Freiheit der Journalisten.

Ich glaube, es war Kurt Tucholsky, der sagte: "Ein Journalist ist einer, der manches besser wüsste, wenn er nicht dreimal täglich essen müsste".

Ich merke das übrigens deutlich bei meiner Frankfurter Rundschau, seit sie von Neven-Dumont übernommen wurde.

 

 

In meinem vorletzten Post habe ich mich gefragt, warum BILD und das rechte Lager Wulff unbedingt als Bundespräsidenten weg haben will. Eine Antwort fand ich im heutigen "Internationalen Frühschoppen".

Dort wurde ganz nebenbei von einer Rede gesprochen, die er im August 2011 vor Wirtschaftlern gehalten und in der er die Herrschaft der Wirtschaft über die Politik angeprangert hatte.

Ich habe sie nach einigem Googeln gefunden:

Rede des Bundespräsidenten zur Eröffnung der 4. Tagung der Wirtschaftsnobelpreisträger am 24. August 2011.

Ich empfehle dringend die Lektüre!
10 gut lesbare PDF-Seiten, herunterzuladen über:

http://www.bundespraesident.de/SharedDocs/Reden/DE/Christian-Wulff/Reden/2011/08/110824-Wirtschaftsnobelpreistraeger.html#

Es ist eine erstaunliche, richtig "große" Rede. Da steht zum großen Teil das, was unsereins schon lange denkt, sogar Formulierungen wie "Privatisierung der Gewinne, Sozialisierung der Verluste" (!!) oder "Politik... darf sich nicht am Nasenring durch die Manege führen lassen von Banken, von Ratingagenturen oder sprunghaften Medien...".

Er bezieht sich auch auf eine frühere Rede, gehalten am 31. März 2011 beim XlX. Deutschen Bankentag. Auch die ist lesenswert:

http://www.bundesregierung.de/Content/DE/Bulletin/2011/04/37-1-bpr-bankentag.html

Christian Wulff ist also nicht ganz der völlig blasse Bundespräsident, für den ich ihn gehalten habe. Aber er hat wohl nicht bedacht, dass mit solchen Reden seine eingebildete Freundschaft mit der Springpresse aufhört. Nach dem 24. August brauchte die Springerpresse wohl einige Zeit, bis sie etwas gefunden hatten, das sie ihm anhängen können, aber dann ing es ja gut los, und mit seinem unehrlichen Verhalten leistete er ihnen Vorschub.

Ich würde nur noch eines gerne wissen: Wir waren ja im August verreist und hatten auch die Zeitungen abbestellt. Deshalb weiß ich nicht, ob die Rede vom 24. August in der deutschen Presse überhaupt erwähnt wurde. Jedenfalls werde ich mal bei meiner FR nachfragen...

Und ich bin jetzt definitiv der Meinung, Wulff sollte im Amt bleiben.

 

 

Wenn in der Fernsehzeitung ein Film als "Liebesfilm" angekündigt wird, sehen wir uns ihn normalerweise nicht an; wir machen uns nichts aus Schmonzetten. Aber ich hatte gelesen, dass dieser Film auf einer wahren Begebenheit beruht, nämlich einer fürchterlichen Lawinenkatastrophe im Vorarlberg 1954. Ursache menschliche Besitzgier und Unvernunft im Umgang mit der Natur.

Und der Film war keine Schmonzette, sondern sehr gut. Leise, eindringlich. Schade nur, dass die Dialoge wegen des starken österrichischen Akzents teilweise sehr schwer zu verstehen waren; am Anfang bekamen wir die Handlung dadurch gar nicht recht mit.

Aber ich bin froh, ihn mir angesehen zu haben.

 

 

Das wird langsam lächerlich!

Wir haben jetzt kapiert:

  • Unser derzeitiger Bundespräsident ist moralisch und intellektuell kein leuchtendes Vorbild. Aber das hatten wir schon öfter.

  • Es gibt eine Gruppe, und zwar ausgerechnet im rechten Lager, die ihn unbedingt als Bundespräsident loswerden will. Schon witzig, wäre ganz interessant zu wissen, was wirklich dahinter steckt, aber das werden wir wohl nie erfahren.

  • Wulff hat klipp und klar erklärt, dass er nicht zurücktreten wird. Absetzbar ist er nur, wenn ihm das Bundesverfassungsgericht Verletzung des Grundgesetzes nachweist. Seine Gegner werden ihn also nicht loswerden.

Also: was soll das ganze Hickhack noch?

Das Gezeter sämtlicher Medien über "Verletzung der Pressefreiheit" – nur weil einer mit dem Revolverblatt Bildzeitung mal genauso unflätig umgegangen ist, wie dieses Blatt es mit allen möglichen Personen ständig tut – das finde ich geradezu albern.

Gibt es keine wichtigeren Themen in Deutschland und der Welt?

Geht doch bitte endlich mal zur ernsthaften Tagesordnung über auf euren Titelseiten!

 

 

Nicht wegen seines Finanzgebarens. Wie sagte ein Kommentator meiner Heimatzeitung: "Er ist ein Schnäppchenjägesr und kleiner Schnorrer". Darüber kann ich noch mit einem Achselzucken zur Tagesordnung übergehen.

Sondern wegen der Verbandelung von Politik und Presse. Da halten sich Politiker Zeitungen; einer ist dumm oder überheblich genug, um zu glauben, er sei dick befreundet, könnte ihnen sagen, was sie schreiben und nicht schreiben sollen. Irgendwann ist der Pressefreund beleidigt und zeigt ihm kurz, wo der Hammer hängt.

Wie komme ich mir vor, als Staatsbürgerin, die informiert werden möchte? Meine Informationen hängen von Freundschaft oder Zank der Politiker mit der Presse ab.

Zur Zeit muss ich mich fragen, was hat die Bildzeitung plötzlich gegen Wulff, der doch zu ihrer konservativen Klientel gehört? Bisherige Finanzaffären wurden, wie ich mich erinnere, nicht von BILD, sondern von seriösen Zeitungen und Zeitschriften aufgedeckt.

Die privaten Querelen zwischen Wulff und der Springer-Presse interessieren mich doch nicht. Ich will einfach über meinen Bundespräsidenten informiert werden!

 

 

Vor einem Jahr war ich begeistert von Franz Werner-Möst als Dirigent des Neujahrskonzerts, und sehr enttäuscht, dass im nächsten Jahr, also heute, das Konzert wieder von Mariss Jansson dirigiert werden würde.

Ich muss mich etwas korrigieren.

Heute fand ich, dass er ungeheuer gut und sensibel die ganz leisen und leichten Stellen herausgearbeitet hat, und das habe ich wirklich aufmerksam und mit Freude gehört.

Witzig allerdings: er scheint ein Polka-Fan zu sein. Es kamen vor allem Polkas, wenige Walzer. Den Donauwalzer fand ich auch etwas schöner als ich ihn bei früheren Dirigenten (außer Welser-Möst) gehört hatte.

Uhu allerdings war enttäuscht.

 

Allen netten Leuten in Klein-Bloggersdorf wünsche ich

einen guten Rutsch

und

viel Glück;
wenn das großes Glück gerade nicht parat ist, so doch viele kleine Glücksmomente,

Gesundheit,
şo gut wie sie möglich ist,

Erfolge,
wenn nicht große, so doch kleine.

 

Die alte Eule

PS: wer letztes Jahr schon hier war, weiß, dass dies eine Zusammenfassung dessen ist, was ich mir damals überlegt habe :-)

 

 

Christian Wulff wird uns ja wohl als Bundespräsident erhalten bleiben, trotz seiner Kredit-Affärchen. Die interessieren mich nun nicht mehr, sondern die Art, wie er sein Amt ausübt. Und da fehlt mir das wichtigste.

Mir fehlt der große Wurf.

Die Weihnachtsansprache. Ich habe sie mir zweimal angehört, dann ausgedruckt und aufmerksam nachgelesen. Da sind einige gute Sachen drin, aber es ist eben nur eine Fünf-Minuten-Rede, das kann nur eine Skizze sein – wann kommt die Ausführung?

Die kulturelle Vielfalt unserer Bevölkerung, in der kein Platz für Fremdenhass sein darf, ist ihm offenbar ein sehr wichtiges Anliegen. Wir kennen das schon aus seiner frühen Bemerkung "Der Islam gehört jetzt auch zu Deutschland", und mir gefiel deshalb, dass er gleich zu Beginn ausdrücklich Christen und Nichtchristen begrüßte.

Er ist schockiert über die jetzt aufgedeckten rassistischen Morde. Historiker und Soziologen können ihm Entwicklung und Hintergründe des Rechtsextremismus darstellen. Wann wird er seine Redenschreiber daransetzen, ihm daraus eine große, mahnende Rede zu machen?

Wann wird ein Bundespräsident mal sehr deutlich sagen, dass wir Deutschen, in der Mitte Europas, seit zwei Jahrtausenden durch Wanderungen, Eroberung, Besatzungen, Einwanderungen ständig durchgeschüttelt und gemischt, nie eine glatte Einheit waren, sondern dass gerade die Vielfalt unsere Stärke ist? Dass Rassismus deshalb nicht nur ein Verbrechen, sondern haarsträubende Dummheit ist?

Dem alltäglichen Rassismus im Kleinen begegnen, in der Nachbarschaft, den Vereinen, schon den Kindern klarzumachen, dass die Menschen verschieden sind und das gut ist: das sind zwei richtig gute Absätzchen in der kleinen Rede. Aber eine Weihnachtsansprache verpufft. Er muss die Möglichkeit finden, diese Aussagen viel stärker zur die Wahrnehmung zu bringen.

Er ist bis jetzt zu unauffällig aufgetreten.

Ärgerlich: auffällig wurde er erst durch die Kredit-Enthüllungen.

Wenn es Sinn haben soll, dass Christian Wulff trotz seiner finanziellen Affärchen im Amt bleibt, muss er anders auffällig werden. Er muss dieses sehr gute Anliegen – Zusammenhalt der Deutschen in der Vielfalt, Frieden durch Vielfalt – bei jeder Gelegenheit und mit allen ihm als Bundespräsidenten zur Verfügung stehenden Mitteln – auffällig nach vorne bringen.

 

 

Da hat die EU mal wieder eine dieser Richtlinien zur Vereinheitlichung von Standards in allen EU-Ländern verabschiedet. Diesmal zur Vereinheitlichung des Explosivstoff-Gehalts in Feuerwerkskörpern.

Und wie wurde vereinheitlicht? Natürlich von unten nach oben. In Deutschland lag die zulässige Höchstmenge an Explosivstoffen bisher bei 200 Gramm, nach der neuen EU-Richtlinie sind es jetzt 500 Gramm. Das heißt, diese Feuerwerkskörper sind bedeutend gefährlicher als die bisher bei uns üblichen, und auch damit gab es bisher immer wieder Unfälle. Die Experten der Feuerwehr und der Unfallstationen rechnen dieses Jahr mit einer erheblichen Zunahme solcher Unfälle.

Die Gepflogenheiten beim Umgang mit Feuerwerkskörpern und die Vorschriften dazu sind in den verschiedenen EU-Ländern bisher höchst unterschiedlich. Das muss unbedingt vereinheitlicht werden, mit welcher Begründung? Die Sprecherin der Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung lässt die Katze aus dem Sack:

"Für die Hersteller gibt es jetzt klare Richtlinien".

Ach so, für die Hersteller. Das ist wieder so richtig die EU, wie so manche in der Bevölkerung sie ablehnen – die Interessen der Industrie werden gewahrt, nicht die der Bevölkerung, und nicht die Vernunft. Bei uns können sich ruhig ein paar beschickerte junge Leute in der Sylvesternacht die Hände noch effektiver wegfetzen lassen als bisher.

Man sage mir nicht "die 500 Gramm sind ja nur das Maximum; es steht ja jedem frei, auch ein weniger explosives Produkt zu kaufen". Wenn die Hersteller sich von der Vereinheitlichung Vorteile versprechen, werden sie verstärkt die Maximal-Produkte herstellen, dafür werben, auch bei uns genügend unvernünftige Käufer finden, und irgendwann wird es die schwächeren gar nicht mehr geben.

Jedenfalls freue ich mich jetzt gar nicht auf das Sylvesterfeuerwerk in unserer Umgebung. Die Knallfrösche und Böller auf der Straße mochte ich zwar nie, aber die bunten Raketen fand ich immer sehr schön. Wenn es jetzt anderthalb mehr Krach gibt – nein, das wird mir nicht gefallen. Und auf den Unfallbericht in der Zeitung am 2. Januar bin ich gespannt.

Quelle: Frankfurter Rundschau

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