blogage.de > Mit den Augen einer alten Eule
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Die ZEIT ONLINE hat vor ein paar Tagen unter dem Titel "Das Kundus-Syndrom" einen langen Bericht gebracht über Gespräche mit mehreren der Offiziere, die nacheinander, jeweils für ein halbes Jahr, Kommendeur in Kundus waren.

Ich kam dahin über das Bendler-Blog, das diesen Bericht als das Beste bezeichnete, was bisher in Zeitungen über die Bundeswehr in Afghanistan geschrieben wurde. Ich dachte natürlich, wenn der Bendlerblock-Blog, also das Verteidigungsministerium das sagt, dann ist es ein Jubelartikel über die Bundeswehr, aber dem ist nicht so.

Es lohnt sich, das zu lesen, denn hier erfährt man mehr als das übliche Gejubel über "unsere Jungs", aber einem kann dabei schlecht werden.

Im Bendler-Blog scheint man der Ansicht zu sein, dass eine bessere Information über die wirklichen Vorgänge in Afghanistan mehr Verständnis der Bevölkerung für den Bundeswehr-Einsätze bringen kann.

Ich meine dazu: mehr Verständnis, ja!  In dem Sinne nämlich, dass man die ganze Sinnlosigkeit dieses Einsatzes sieht, dass man nur noch fragt: was machen wir da, was sollen wir da überhaupt?! Es ist eine absolut verfahrene Situation, die auch nicht mehr zu retten ist.  Raus da!

 

 

Das Alphaweibchen hat mich auf das Video aufmerksam gemacht – und ich muss sagen, ich konnte da schon nicht mehr lachen, sondern bin in den Boden gesunken.

Was bildet sich so ein "Politiker" eigentlich ein, wie man zur Arbeit in einer internationalen Behörde gehen kann?!

Bei Westerwelle ist das nicht so tragisch. Genscher konnte auch kein Englisch und sonstige Fremdsprachen (außer vielleicht Latein und Altgriechisch??). Ein deutscher Außenminister reist eben mit seinem Dolmetscher, der bei allen bilateralen Gesprächen und den anschließenden Pressekonferenzen dabei ist.

Aber eine internationale Behörde ist etwas anderes. Da gibt es eine Verkehrssprache, die alle können müssen, wenn sich die Leute aus den vielen verschiedenen Nationen in allen Arbeitssituationen miteinander verständigen wollen. Zu meiner Zeit (ich war kleine Angestellte in der damaligen EWG-Kommission im "Europa der Sechs") war das Französisch, was ja schließlich auch die Sprache ist, in der man sich in Brüssel beim Einkaufen und sonst in der Freizeit verständigt. Jetzt scheinen sich die Briten mit ihrer Sprache durchgesetzt zu haben – das ärgert mich zwar, aber nun ja.

Wie will der Kommissar Oettinger seine Arbeit machen, seine Ideen anbringen und durchsetzen, wenn er die Verkehrssprache nicht halbwegs fließend kann? Selbst wenn bei den Kommissionssitzungen die Simultan-Dolmetscher in ihren Kabinen hocken – man bespricht ja auf den Fluren so einiges mit dem einen oder anderen Kollegen; da ist er dann wohl außen vor. Selbst wenn er sein Kabinett mit Deutschen besetzt hat – will er bei jeder Vorlage, die ihm auf den Tisch flattert, warten bis der Übersetzungsdienst den deutschen Text geliefert hat? Entwürfe werden in der Verkehrssprache erstellt.

Nein, so geht das nicht, Herr Oettinger! Ein EU-Kommissar ist kein Grüßemil, der hat eine Arbeit zu leisten, dazu muss er das Handwerkszeug mitbringen, und wenn er es nicht hat, muss er es sich vorher aneignen. Jeder Manager in der Wirtschaft, der im Ausland was vorhat, tut das.

Die Berlitz School – ich glaube jetzt heißt das Inlingua – bietet seit langer Zeit Crashkurse an. Auf Französisch hieß das damals "Eintauchkurs"; da kommt ein Privatlehrer ins Haus und spricht und übt mit dem Schüler vom Frühstück bis zum Schlafengehen nur die Fremdsprache, das vier bis sechs Wochen lang, und am Ende kann der Schüler in der Sprache Verhandlungen führen. Ich sprach mal mit einem deutschen Botschafter, der nach Kamerun versetzt wurde und kein Wort Französisch konnte; der machte einen solchen Kurs, und als er seinen Dienst antrat, konnte er mit dem Staatschef fließend parlieren.

So ein Kurs kostet natürlich einiges an Anstrengung, Zeit und Geld. War da der Schwabe mal wieder zu geizig sparsam?? Und/oder war das zu anstrengend, hat man gedacht, man geht mal so eben nach Brüssel, um die ruhige Kugel zu schieben? Nee, in dem Umfeld muss man agil sein, wenn man was bewegen will, und dazu muss man parlieren können.

Als ich gestern das mit Käßmanns 1,54 Promille am Steuer hörte, dachte ich: So ein Zufall aber auch!

Ende der Woche wird im Bundestag über den Afghanistaneinsatz und die Truppenverstärkung abgestimmt. Bischöfin Margot Käßmann hat sich strikt dagegen positioniert (ich schrieb hier darüber). Das tat auch ihre gesamte Kirche, übrigens auch die katholische Kirche in großen Teilen. Der Politik schien diese Haltung der Kirchen mit ihrem Einfluss auf die Bevölkerung immerhin so gefährlich, dass sie ernsthaft die Diskussion suchte: Guttenberg hat mit Käßmann gesprochen und sie nach Afghanistan eingeladen, damit sie sich dort selbst ein Bild mache.

Und jetzt macht sich diese Frau unmöglich dadurch, dass sie sich mit 1,54 Promille am Steuer erwischen lässt! Das passt doch wunderbar!

Heute morgen im WDR 5 in der Sendung „Tagesgespräch“ wurde aus diesem Anlass eingehend diskutiert: über die Vorbildfunktion von Prominenten im allgemeinen, aus christlicher Sicht im besonderen, über Käßmann im ganz besonderen, über Schuld und Vergebung, Gelaubwürdigkeit und Unglaubwürdigkeit. Es fiel öfter das Wort „Heuchelei“. Das Wort benutze ich hier auch: es kann ja nicht schaden, mal über diese Dinge zu reden, aber in Wirklichkeit geht es doch um – siehe oben.

In der FR lese ich, dass Käßmann als sehr profilierte Kirchenfrau immer wieder Angriffen ausgesetzt ist. Sie wird doch genau wissen, dass sie in ihrer Position sich einen nachlässigen Umgang mit Alkohol einfach nicht leisten kann.

Ich möchte nun gerne wissen, wie diese 1,54 Promille zustande kamen. Wer sich im stillen Kämmerlein so volllaufen lässt, wankt ins Bett und fährt darin Karussell – der geht nicht gezielt in die Garage, um wegzufahren. Sowas kommt in Gesellschaft zustande. Und da bieten sich allerdings verschiedene Spekulationen an...

Unsere investigativen Journalisten sollten da ruhig mal ein bisschen recherchieren.

Nachtrag um 20:10: Tagesschau - Sie ist zurückgetreten !!   Ich bin hell entsetzt.

Da haben diejenigen es erreicht.

Hoffentlich täuschen sie sich in ihrem Nachfolger. Ihr augenblicklicher Vize soll ja die gleiche Richtung vertreten wie sie.

Hoffentlich setzt sie ihre Überzeugungskraft nun irgendwo anders ein.

 

 

Hartz-IV-Empfänger sollen Schnee schippen.

Damit seine Klientel, die Hausbesitzer, sich das Geld für einen Schneeräumdienst sparen?

Denn die Gemeinden haben für die Zusatzarbeit in diesem Winter doch schon längst Ein-Euro-Jobber angeheuert.

Mir ist nicht ganz klar, was er sich damit ausrechnet, sich zum Hanswurst der Nation zu machen.

 

 

Diese drei Katastrophen der letzten Tage haben für mich etwas gemeinsam: die Verantwortungslosigkeit der Verantwortlichen.

Die Kölner U-Bahn: Soso, Arbeiter haben Eisenbügel in Mengen geklaut und Beton falsch angesetzt, Bauprotokolle wurden gefälscht, dafür entlässt man jetzt einen Polier und zwei Bauleiter, also Leute der unteren und mittleren Ebene. Ja, die Leute die das veranstaltet haben, sind Verbrecher, die skrupellos Gefahr für Menschenleben in Kauf nehmen. Aber wie haben sich die eigentlich Verantwortlichen verhalten, Firmenleitung und städtisches Baudezernat? Alles laufen lassen, nichts regelmäßig überprüft? Dass ein U-Bahn-Tunnel unter einer Stadt mit vielen Menschen durchläuft, dass in diesem Tunnel täglich viele Menschen befördert werden sollen, und dass man für die Sicherheit dieser Menschen Verantwortung hat, dass deshalb die ordnungsgemäße Durchführung der Arbeiten sorgfältig überprüft werden muss – das ist diesen Herrschaften wohl nicht in den Sinn gekommen.

Die Rodelbahn in Vancouver: Man ist stolz auf den Ruf, die schnellste, d.h. gefährlichste, Rodelbahn der Welt zu haben. Es gab schon schwere Unfälle, aber die Verantwortlichen waren weiterhin stolz. Das heißt doch, sie haben skrupellos, ohne Gefühl für Verantwortung, mit dem Leben der Sportler gespielt. Und jetzt, da ein Rodler ums Leben gekommen ist, vergießt man Krokodilstränen, und lässt unsere Goldjungen und -mädchen weiter rodeln. Eine weitere Variation zum Thema "Sport ist Mord".

Das Zugunglück in Halle bei Brüssel: Als ich in Belgien lebte, habe ich die SNCB bewundert. Belgien hatte schon früh ein sehr dichtes Eisenbahnnetz, alle Bahnhöfe mit beheizten Warteräumen auf jedem Bahnsteig, Brüssel ist total untertunnelt, unterirdische Bahnhöfe in mehreren Stadtteilen, meine belgischen Kollegen pendelten täglich aus allen Landesteilen. Aber dabei ist es offensichtlich geblieben, keine Erneuerungen, keine Ausstattung der alten Züge mit modernen Sicherheitsvorkehrungen. Im Gegensatz zu unserer glorreichen Deutschen Bahn, bei der aus Gründen der Profitmaximierung die neuen Züge nicht ordnungsgemäß gewartet worden sind, scheint die SNCB noch immer in staatlicher Hand zu sein. Trotzdem aber verantwortungsloses Handeln: Sparen an der falschen Stelle, nämlich beim Zugpersonal und bei den Sicherheitsvorkehrungen. Und jetzt stehen sie wie Kinder beim Dreck.

Ist es für Verantwortliche so schwer zu erkennen, wann man die Verantwortung für Menschenleben hat und dass dies nach den Moralvorstellungen, die trotz Turbokapitalismus offiziell immer noch gelten, Priorität hat?

 

Über meine Einstellung zu dieser ganzen Sache habe ich schon hier und dort geschrieben.

Nun hat Erika Steinbach auf einen Platz im Rat der Stiftung "Flucht, Vertreibung, Versöhnung" verzichtet, und damit seien die Unstimmigkeiten mit Polen beseitigt, heißt es. Das beruhigt mich etwas.

Aber es ärgert mich gewaltig, dass der Bund der Vertriebenen nun noch hofiert wird und erheblich mehr Sitze im Rat erhält.

Und es ärgert mich, dass in dieser ganzen Diskussion so getan wird, als ob der Bund der Vertriebenen alle Heimatvertriebenen vertritt. Ich lege großen Wert darauf zu erklären: ich fühle mich ganz und gar nicht von diesem Verein vertreten! Meine Familie und alle unsere Freunde aus der Heimat wollten schon recht früh mit den Vertriebenenver bänden mit ihrer revanchistischen Ideologie nichts mehr zu tun haben.

Wenn ich die über den Bund der Vertriebenen oft genannten Zahlen sehe, frage ich mich Wer sind eigentlich die Mitglieder der Vertriebenenverbände, wie viele davon sind Heimatvertriebene? Man soll aufhören, die Kinder und Enkel von Heimatvertriebenen, im Westen geboren und hoffentlich voll integriert, sowie die, deren Familien im Zuge der Nazi-Politik nur vorübergehend in Ostdeutschland angesiedelt wurden, als "Heimatvertriebene" anzusehen, deren besondere Belange irgendwie zu berücksichtigen seien.

Empörend finde ich auch das Vorhaben, von dem ich heute erstmals in der FR las, in der Ausstellung der Stiftung mit Daten aus dem Lastenausgleichsarchiv eine virtuelle Landkarte der ehemaligen Besitztümer der Vertriebenen auszustellen. Sollen hier unterschwellig irgendwelche nicht aufgegebenen Besitzansprüche deutlich gemacht werden? Damit wäre allerdings klar: es geht gewissen Kreisen nicht um "Heimat", sondern ganz banal um Besitz. Ekelhaft.

Ich lese auch, der Bundestag wird über die Zusammensetzung des Stiftungsrates zu bestimmen haben. Da wird man noch an ein paar MdBs zu schreiben haben...

 

Zu Guttenberg scheint ja einen ziemlich dussligen Parlamentarischen Staatssekretär zu haben.

Im Bundestag reagierte der Parlamentarische Staatssekretär Christian Schmidt merkwürdig unsicher und gereizt auf eine Frage einer Linken, warum in der Bundeswehr jetzt Persisch gelernt wird und ob ein Einsatz im Iran geplant ist.

Mein erster Gedanke war: blöde Frage! Persisch ist die wichtigste Sprache in Afghanistan. Es wäre völlig richtig, unseren Soldaten ein paar Grundbegriffe von dieser Sprache beizubringen, damit sie sich bei ihren Einsätzen mit der Bevölkerung einigermaßen verständigen können und nicht als Elefanten im Porzellanladen auftreten. Mit Iran braucht das nichts zu tun zu haben.

Statt dessen bläst der sich auf und stottert rum, Persisch würde zwar nicht im Norden gesprochen, aber es gebe iranische Minderheiten und iranische Entwicklungshilfeprojekte, deshalb seien iranische Kontakte wichtig.

Der Mann hat offenbar keine Ahnung von Afghanistan.

Laut Wikipedia sind die beiden Hauptsprachen Afghanistans Persisch (dort als "Dari" bezeichnet) und Paschtu,  wobei Dari "die eigentliche völkerübergreifende Amtssprache" ist. Eine Karte zeigt, dass Dari im weitaus größten Teil Afghanistans, und zwar gerade im Norden, gesprochen wird. Also...

Diese auffällig unsichere und gereizte Reaktion des Staatssekretärs lässt jetzt allerdings den Verdacht aufkommen, dass tatsächlich etwas mit Iran im Busch ist.

Und das wäre schlimm.

 

Diese merkwürdige private Veranstaltung, auf der unter dem Titel "Frieden durch Dialog" einmal jährlich einige international handverlesene Politiker und und ehemalige Politiker über Krieg und Militär reden, hat gerade getagt und tut sich schwer mit der NATO.

Schon auf einer der vorigen Konferenzen, so erinnere ich mich, meinte ein Redner, in Afghanistan würde sich weisen, ob die NATO überlebt.

Auf der Internetseite für die diesjährige Konferenz lese ich heute über den Redebeitrag des NATO-Generalsekretärs Rasmussen:

Bei seinem ersten Auftritt auf der Sicherheitskonferenz drängte Rasmussen darauf, das nordatlantische Bündnis neu auszurichten. Dazu sei es notwendig, die NATO in eine global vernetzte Sicherheitsinstitution zu verwandeln... "Das Bündnis soll ein Schnittpunkt sein, ein Netzwerk für Sicherheitspartnerschaften, ein Beratungszentrum für internationale Sicherheitsfragen", formulierte der dänische Politiker und bezog Kooperationsmöglichkeiten mit China, Indien und Pakistan ausdrücklich mit ein.

Ja zum Teufel, sind das nicht die Aufgaben der UNO? Was soll da die NATO noch?

Oder meint er mit der Kooperation mit China, Indien und Pakistan das schon lange von der Friedensbewegung gefürchtete Bündnis der reichen Staaten gegen die armen?

Dabei hörte man vor Beginn der Münchener Konferenz, dass die unmittelbar vorher in Istanbul versammelten Verteidigungsminister feststellen mussten, dass die NATO gar nicht mehr genug Geld für ehrgeizige Unternehmungen hat.

Für mich bleibt:

Ceterum censeo, die NATO ist aufzulösen.

 

In der FR stand, dass es heute irgendwo eine Podiumsdiskussion zwischen Andrea Ypsilanti und Sahra Wagenknecht geben sollte. Das hätte ich zu gerne gesehen, was diese beiden Frauen sich zu sagen haben bzw. wie sie sich streiten.

Ich hatte gehofft, das würde zu später Stunde in irgendeinem Dritten übertragen, fand aber nichts. Beim eifrigen Herumgoogeln fand ich heraus: Das fand in Halle im Rahmen einer Veranstaltungsreihe der Linken namens "Ost-Termine" statt, in der man jeweils eine/n Ost- und eine/n West-Politiker/in über Themen, die den Osten betreffen, diskutieren lässt.

Diese Veranstaltungsreihe würde mich im ganzen interessieren. Ich finde, so was würde schon ins Fernsehen gehören, zumindest in ein Drittes oder in Phoenix. Aber da sie von der Linken, bzw. von dem Linken Bundestagsabgeordneten Roland Claus, veranstaltet wird, wird sie vom Öffentlich-Rechtlichen natürlich ignoriert...

...und wird für straffes Durchgreifen gefeiert. So weit, so gut.

Wenn bei jedem der 1500 Fälle, wie bei den ersten fünf, durchschnittlich 1 Million Steuernachzahlung anfällt, sind das anderthalb Milliarden, und die kann man gut brauchen, um für die nächsten anderthalb Jahre das Steuergeschenk an die Hoteliers zu finanzieren.

Die Botschaft lautet: Ihr Großkopfeten, zahlt mal brav eure Steuern, das sieht fürs Volk gut aus, und ihr bekommt das von uns in Form von Steuererlässen doch zurück!

Die Allgemeinheit hat nichts davon.

 

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