
Das Alphaweibchen hat mich auf das Video aufmerksam gemacht – und ich muss sagen, ich konnte da schon nicht mehr lachen, sondern bin in den Boden gesunken.
Was bildet sich so ein "Politiker" eigentlich ein, wie man zur Arbeit in einer internationalen Behörde gehen kann?!
Bei Westerwelle ist das nicht so tragisch. Genscher konnte auch kein Englisch und sonstige Fremdsprachen (außer vielleicht Latein und Altgriechisch??). Ein deutscher Außenminister reist eben mit seinem Dolmetscher, der bei allen bilateralen Gesprächen und den anschließenden Pressekonferenzen dabei ist.
Aber eine internationale Behörde ist etwas anderes. Da gibt es eine Verkehrssprache, die alle können müssen, wenn sich die Leute aus den vielen verschiedenen Nationen in allen Arbeitssituationen miteinander verständigen wollen. Zu meiner Zeit (ich war kleine Angestellte in der damaligen EWG-Kommission im "Europa der Sechs") war das Französisch, was ja schließlich auch die Sprache ist, in der man sich in Brüssel beim Einkaufen und sonst in der Freizeit verständigt. Jetzt scheinen sich die Briten mit ihrer Sprache durchgesetzt zu haben – das ärgert mich zwar, aber nun ja.
Wie will der Kommissar Oettinger seine Arbeit machen, seine Ideen anbringen und durchsetzen, wenn er die Verkehrssprache nicht halbwegs fließend kann? Selbst wenn bei den Kommissionssitzungen die Simultan-Dolmetscher in ihren Kabinen hocken – man bespricht ja auf den Fluren so einiges mit dem einen oder anderen Kollegen; da ist er dann wohl außen vor. Selbst wenn er sein Kabinett mit Deutschen besetzt hat – will er bei jeder Vorlage, die ihm auf den Tisch flattert, warten bis der Übersetzungsdienst den deutschen Text geliefert hat? Entwürfe werden in der Verkehrssprache erstellt.
Nein, so geht das nicht, Herr Oettinger! Ein EU-Kommissar ist kein Grüßemil, der hat eine Arbeit zu leisten, dazu muss er das Handwerkszeug mitbringen, und wenn er es nicht hat, muss er es sich vorher aneignen. Jeder Manager in der Wirtschaft, der im Ausland was vorhat, tut das.
Die Berlitz School – ich glaube jetzt heißt das Inlingua – bietet seit langer Zeit Crashkurse an. Auf Französisch hieß das damals "Eintauchkurs"; da kommt ein Privatlehrer ins Haus und spricht und übt mit dem Schüler vom Frühstück bis zum Schlafengehen nur die Fremdsprache, das vier bis sechs Wochen lang, und am Ende kann der Schüler in der Sprache Verhandlungen führen. Ich sprach mal mit einem deutschen Botschafter, der nach Kamerun versetzt wurde und kein Wort Französisch konnte; der machte einen solchen Kurs, und als er seinen Dienst antrat, konnte er mit dem Staatschef fließend parlieren.
So ein Kurs kostet natürlich einiges an Anstrengung, Zeit und Geld. War da der Schwabe mal wieder zu geizig sparsam?? Und/oder war das zu anstrengend, hat man gedacht, man geht mal so eben nach Brüssel, um die ruhige Kugel zu schieben? Nee, in dem Umfeld muss man agil sein, wenn man was bewegen will, und dazu muss man parlieren können.