blogage.de > Mit den Augen einer alten Eule
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Nur ganz kurz: Die Anstalt war wieder prachtvoll. Besonders gut die Eröffnungsrede zum Büffet von Dombrowski/Georg Schramm, leise und beißend.

Aber ich meine, der Oberstleutnant Sanftleben sollte mal wieder was zu Afghanistan sagen...

Wer politisch eher links ausgerichtet ist und im Rheinland lebt, für den ist zu Karneval die Kölner Stunksitzung ein absolutes Muss.

Die ist vor Jahren als Persiflage auf den etablierten Sitzungskarneval ins Leben gerufen worden und hat sich einen Namen gemacht als junge, moderne, flotte und absolut respektlose Veranstaltung, nicht ohne gelegentlich Skandälchen mit ihren Respektlosigkeiten Skandälchen zu produzieren. Anfangs hat der WDR immer die ganze Sitzung zu guten Sendezeiten übertragen, später nur noch in gekürzter Fassung – dreimal dürft ihr raten warum wohl.

Dieses Jahr konnten wir die gekürzte Fassung letzten Donnerstag von 22 Uhr bis 23:30 sehen, aber es wurde gleich angekündigt, dass noch die vollständige Fassung gesendet wird – wann wohl? Dreimal dürft ihr raten: heute Nacht von 0:40 bis 3:40.

Für das Ehepaar Nachtvogel ist so was ja nun kein Problem. wir haben gerne bis kurz vor 4 Uhr vor der Glotze gesessen und uns keinen Moment gelangweilt. Doppelt so viel Sketche, Musik, Lieder, Plaudereien der Präsidentin und Schwenks ins Publikum – alles mit viel Schwung und Witz.

Na ja, bei der einen Nummer war schon klar, dass die natürlich gestrichen werden "musste": "Es war einmal im von Bankern besetzten Deutschland – Ein Film von der Frau, die wegen sechs Maultaschen fristlos entlassen wurde". Eine bitterböse, geradezu brutale Fantasie, wie man seine Wut an den Bankern auslassen und ihnen ihre Grausamkeiten zurückgeben will.

Aber ein anderer Beitrag hätte wirklich nicht gestrichen werden dürfen: Ein paar al Frauen, die als freiwillige Helferinnen die beschädigten Akten des Kölner Stadtarchivs zusammensetzen und sich allerei Jux daraus machen, die Kölner Stadtgeschichte umzuschreiben. Am Schluss heißt es: "In jedem Ziegelstein, jedem Sandkorn ist die Geschichte der Stadt; die Geschichte ist die Erinnerung der Menschen".Und dann wird ein Sandbild gemalt und auf den Schirm projiziert – ungeheuer poetisch und erschütternd: der Dom, der Rhein, ein Liebespaar, dann verändert es sich – Soldaten, Panzer, Bomben, der Dom als einziges bleibt stehen – so war es ja auch wirklich - , ein Soldat, ein Brief, dann nur noch ein Bild und ein Grab. Dann ein Topf, aus dem Blumen wachsen. Die Kamera schwenkt auf ein altes Frauengesicht im Publikum – man sieht ihr an, das können ihre eigenen Erinnerungen sein... Völlige Stille im karnevalistisch kostümierten Publikum, dann ein anhaltender Riesenapplaus.

Da werden seit Tagen im Ersten, Zweiten und den Dritten Programmen von 20:15 bis Mitternacht alle möglichen konventionellen Karnevalssitzungen mit den üblichen Witzen zum Besten gegeben – und dies hier wird in die Zeit ohne Zuschauer verbannt.

 

Wir Aachener hatten heute Abend am Fernseher die Qual der Wahl:
Im Ersten die Verleihung des Ordens wider den tierischen Ernst an unseren Arbeiterführer Rüttgers (ein Schelm, wer das als Wahlkampf-Eröffnung ansehen wollte...), im DSF genau zeitgleich die Live-Übertragungs des Spiels der Alemannia gegen Kaiserslautern auf dem heimischen Tivoli. Wobei die Qual nicht nur in der Wahl zwischen zwei Sendungen bestand, sondern in der Überlegung, bei welcher Sendung man mehr leiden würde:

- beim tierischen Ernst, der nach der Aufzeichnung am Samstag in der heutigen Zeitung gleich in drei Artikeln absolut verrissen wurde, 1. als völlig uninspirierte Veranstaltung (noch langweiliger als schon immer), 2. weil Rüttgers die verschiedenen Teile seiner heutigen Ritterrede in den letzten drei Jahren schon bei verschiedenen Karnevalsvereinen in den Weiten unseres Landes gehalten hat,

- oder beim Zusehen, wie die Alemannia wieder mal verliert.

Als es bis zum Abend in dicken, nassen Flocken schneite, bestand noch die Hoffnung, dass die Wahl wegen Ausfallens des Fußballspiels wegfallen würde, aber die Rasenheizung hat wohl funktioniert, das Spiel fand auf nur an manchen Stellen weiß überpudertem grünen Rasen statt.

Wir entschieden uns zum Hin- und Her-Zappen. Das Fußballspiel war wirklich meist interessanter als das, was sich da auf der Bühne im Eurogress abspielte. Obwohl jedes Mal, wenn wir nach Anhörung einer der wenigen etwas netten Darbietungen von der ARD zum DSF rüberzappten, wieder ein Tor mehr für die Lauterer auf der Anzeigentafel stand... Die Qual bei der Alemannia war also doch noch größer als beim Tierischen Ernst.

Die Ritterrede von Rüttgers mit der absolut glaubwürdigen Darstellung des Tagesablaufs eines NRW-Ministerpräsidenten in der Karnevalszeit war, wenn man vergaß, dass er sie schon x Mal gehalten hat, eigentlich recht nett. Es gab schon viel schlechtere. Allerdings für den Wahlkampf ungeeignet, denn er versäumte es nicht, seine westfälischen Landeskinder zu beleidigen durch die Bemerkung "Als Rheinländer ist man immer wieder erstaunt, wie viel die Westfalen trinken können, ohne lustig zu werden".

Trotzdem, ich möchte mal wissen von Euch in den Weiten Deutschlands: ist für Euch diese alberne, fade, krampfhafte, humorlose Veranstaltung im Ersten Deutschen Fernsehen zur besten Sendezeit nicht eine Zumutung?

Jetzt noch was anderes: nachdem ich neulich über das Gedeihen meiner Rittersterne geschrieben habe, habe ich beschlossen, das fortschreitende Erblühen derselben jetzt in jedem der nächsten Einträge durch ein kleines Bildchen zu dokumentieren.

Schade ist nur , dass ich hier keine Möglichkeit finde, das Bild besser in den Text einzubinden (vom Text "umfließen" zu lassen).

 

 

Das hochgerühmte Stück Weltliteratur: 390 Seiten, eng beschrieben - denn eine Hexameter-Zeile füllt eine ganze Seitenbreite aus – mit brutalem Gemetzel, auf das ausführlichste dargestellt.

Wir unterhielten uns neulich bei einer kleinen Hausparty darüber. Eine junge Niederländerin, die vor dem Abitur die Ilias durchgenommen hatte, erzählte, ihr Lehrer hätte gesagt: Von der Ilias sind nur die letzten vier Gesänge lesenswert, alles vorher ist uninteressant.

Soso, uninteressant....

Ich gebe hier mal ein paar Kostproben aus den ersten zwanzig Gesängen; es sind teilweise Textbausteine, die öfters verwendet werden:

Diesen traf, da er jetzt im verfolgenden Lauf ihn ereilet,
Rechts hindurch ins Gesäß Meriones, daß ihm die Spitze,
Vorn die Blase durchbohrend, am Schambein wieder hervordrang.
Heulend sank er aufs Knie, und Todesschatten umfing ihn.

Oder:

Diesem schoss nachrennend der speerberühmte Phyleide
Hinten die spitzige Lanze gerad' in die Höhle des Nackens;
Zwischen den Zähnen hindurch zerschnitt die Zunge das Erz ihm;
Und er entsank in den Staub, am kalten Erze noch knirschend.

Oder, wenn der Held mit dem Streitwagen von einem Ende des Schlachtfelds zum andern gelangen will:

Sprach's, und geißelte rasch das Gespann schönmähniger Rosse
Mit hellknallendem Schwung; doch sie, der Geißel gehorchend,
Trugen das schnelle Geschirr durch Troer dahin und Achaier,
Stampfend auf bäuchige Schild' und Leichname: unten besudelt
Troff die Achse vom Blut, und die zierlichen Ränder des Sessels,
Welchen jetzt von der Hufe Gestampf anspritzten die Tropfen,
Jetzt von der Räder Beschlag. So strebte der Held in der Männer
Dichtes Gewühl, zu zerstreun, wo er stürmete! Grauses Getümmel
Bracht' er dem Volk der Achaier, und rastete wenig vom Speere.

So geht das in Abwandlungen viele viele Seiten lang.

Mag ja sein, dass solche Texte sehr jungen Menschen nicht gut zugemutet werden können, aber "uninteressant" ist das nicht,

Interessant ist für mich zweierlei:

Erstens: diese ausführliche Beschreibung, wie es in einem Krieg wirklich zugeht. Zwar sind es alles "Helden", die sich da gegenseitig abschlachten – übrigens gibt es hier auch keine "Guten" und "Bösen"; sowohl die Griechen als auch die Trojaner sind alle sehr edel, und außerdem sind die einzelnen Männer ja gar nicht selber Schuld, sondern sie sind immer von den Göttern angestiftet, die sich ständig untereinander zanken und ihren Stellvertreterkrieg durch die Menschen führen lassen - , aber Homer, oder wer auch immer der oder die Autoren in Wirklichkeit sein mag, schien die Absicht zu haben, den Hörern der Gesänge die Wirklichkeit eines Krieges vor Augen zu führen.

Zweitens: Die Absicht scheint mir in den zweieinhalb tausend Jahren nach Entstehung der Ilias darin zu liegen, gerade diese Wirklichkeit des Krieges zu verheimlichen. Wenn ich mich recht erinnere, hat auch der gute alte Gustav Schwab mit seinen "Griechischen Heldensagen, für die reifere Jugend nacherzählt" diese genaue Beschreibung der Vorgänge des Trojanischen Krieges auch wohlweislich ausgespart. Auf uns Heutige übergekommen ist nur der Mythos der edlen Helden des klassischen Altertums. Der Lehrer der jungen Niederländerin hat bei Achilles nur über dessen Frömmigkeit, Vaterlands- und Familienliebe gesprochen. Ich nehme ihn nach der Lektüre der Ilias eigentlich hauptsächlich als einen ganz brutalen Haudrauf wahr!

Dieses Verschweigen der Wirklichkeit des Krieges ist wohl seit Jahrtausenden sehr wichtig: wie könnten denn auch immer neue Generationen von Männern (seit neuestem auch Frauen) sich zum Kriegsdienst bereit erklären, wenn sie sich vor Augen führten, was da wirklich auf sie zukommt?

Natürlich werden Kriege inzwischen anders geführt; das Töten ist immer indirekter geworden. Während der Oberbefehlshaber Agamemnon und die Heerführer Hektor und Achilles noch höchstselbst beim Abschlachten des Gegners als leuchtendes Beispiel vorangestürmt sind, saßen seit Beginn der Neuzeit die Heerführer hoch zu Ross auf dem Feldherrnhügel und dirigierten Ihre Schlachtreihen. Und heute sitzt ein Oberst in der Kaserne und fordert per Funk Bomber an, und die Soldaten im Flugzeug lösen nach Computerbildchen die Bomben aus. Aber auf die Menschen, die es trifft, dürfte sich das noch ziemlich ähnlich auswirken, wie in dem Epos vor zweieinhalbtausend Jahren beschrieben!

Ich habe eine Frage: Lernen die Soldaten in ihrer Ausbildung eigentlich, was so eines ihrer Geschosse im Körper des Getroffenen anrichtet, das heißt  w i e  er stirbt??

Das muss sich endlich ändern: Politiker, die heute einen Kriegseinsatz beschließen, sollten sich und der Bevölkerung klarmachen, dass sie keine Heldentaten, sondern brutales Morden beschließen.

 

An Weihnachten bin ich irgendwie doch nicht zum Lesen gekommen. Ich hätte auch gar nicht gewusst, welches meiner Bücher ich mal wieder zur Hand nehmen soll (neue Bücher haben wir uns nicht gekauft).

Heute früh wurde ich durch eine Radiosendung gemahnt, dass ich zwischen den Jahren mich doch mal gemütlich in ein Buch vertiefen könnte. Und heute abend habe ich entdeckt, in welches:

Homers Ilias !

In der Glotze nämlich gab es heute abend für uns nichts besonderes als im ZDF einen Film "Troja", Historienfilm, USA/GB/M 2004. Ich dachte an einen der üblichen Muskel-und Sandalen-Filme und hatte nicht viel Lust, aber dann bin ich doch die zweieinhalb Stunden sitzengeblieben. Und danach auch noch die Sendung über die archäologischen Forschungen zu Troja angesehen.

Wir waren erst etwas verwirrt, denn der Film begann nicht, wie erwartet, mit dem Urteil des Paris und auch nicht mit dem langen Warten der Griechen auf günstigen Wind (dem Opfer der Iphigenie), sondern mitten drin im trojanischen Krieg. Entspricht das vielleicht der Ilias?

In der Schulzeit habe ich mit Begeisterung von Anfang bis Ende die Odyssee gelesen, besitze sie aber nicht. Die Ilias zu lesen war mir immer zu mühsam, obwohl ich sie besaß. Und tatsächlich habe ich sie dank meiner FoxPro-Datenbank aufgefunden; ganz am Anfang bei den Romanen – na ja, ein Epos ist ja wohl ein Roman... Es ist ein sehr altes kleines Buch, Verlag von Otto Hendel, Halle, kein Copywright, kein Datum, gotische Schrift, mit Schreibweisen wie "in der That", und "Hülfe", also von ca. Ende des 19. Jahrhunderts. Keine Ahnung, wo ich das Buch herhabe.

Die Ilias beginnt tatsächlich mitten drin im Krieg; der Film könnte also in enger Anlehnung an die Ilias gedreht sein. Das werde ich ab morgen nachlesen.

Im übrigen waren wir hellhörig: Warum wurde dieser Film gedreht? Herausgekommen 2004, gedreht also 2003, nach Beginn des Golfkriegs, von den USA, Großbritannien und Malta, also der "Koalition der Willigen" (gehörte Malta dazu, als Aufmarschplatz?). Einstimmung auf den Golfkrieg durch kulturell anerkannte große Heldenverehrung?

Schockiert hat uns auch, dass die Regie von Wolfgang Petersen war, dem Regisseur des erschütternden und durchaus nicht heldenverehrenden Films "Das Boot". Historisch und schauspielerisch gut gemacht – zweieinhalb Stunden Gemetzel mit Heldenverehrung. Und dadurch, dass der Stoff ein allseits verehrtes literarisches Werk der Antike war, konnte beim Anblick des Gemetzels auch kaum echte Anti-Kriegs-Stimmung aufkommen. Fatal.

So, jetzt habe ich doch wieder über mein Thema "Krieg und Frieden" geschrieben! Ich wollte doch nur erzählen, was ich ab morgen lesen will...

Ich werde die Ilias, in der alten Übersetzung von Joh. Heinrich Voß, jetzt von Anfang bis Ende durchlesen: dámdada dámdada dámda, dámdada dámdada dámda – schön die Hexameter vor mich hin skandierend. Vielleicht kommt mir da bei all der Verehrung der griechischen Helden, doch wieder das K... über den Krieg.

Ich melde mich erst wieder, wenn ich das fertig habe.

Nach unserer Lieblingssendung "Neues aus der Anstalt" im ZDF kommt seit einiger Zeit immer die "Heute Show". Nicht das Niveau, aber auch kritisch, satirisch, lustig, wir schauen sie uns gerne an.

Neulich brachten sie anlässlich der Buchmesse einige fingierte Interviews, bei denen sie wohl authentischen chinesischen Ausstellern oder Besuchern kleine gemeine Aussagen unterlegten – bissig, aber gerecht. Dazu lese ich heute im SPIEGEL:

Der chinesische Botschafter sah prompt sein Volk beleidigt, Intendant Markus Schächter musste ihm schriftlich sein Bedauern erklären. "Und ich bitte Sie, dieses Bedauern auch nach China zu übermitteln". Der Buchmessenbeitrag wurde aus der ZDF-Mediathek entfernt.

Das darf doch wohl nicht wahr sein! Findet bei uns jetzt Zensur statt? Ein ausländischer Vertreter fühlt sich oder auch sein Volk durch einen Satiriker beleidigt, und wir knicken sofort ein und zensieren? Die richtige Reaktion wäre gewesen, dem Herrn Botschafter zu erklären, dass bei uns nach dem Grundgesetz Meinungsfreiheit herrscht, auch für Satiriker, auch wenn einem die Meinung nicht gefällt, dass man diese Satire vielleicht persönlich bedauert, aber dass sie zu unserer Meinungsfreiheit gehört.

Herr Schächter oder die Politiker, die ihn vielleicht zu diesen Handlungen veranlasst haben, müssen sich von mir fragen lassen, wie sie es mit dem Grundgesetz halten.

Den Buchmessenbeitrag aus diesem Grund aus der ZDF-Mediathek zu entfernen, ist Zensur und damit grundgesetzwidrig!

 

Anstatt schlaue Blog-Einträge über die vielen ärgerlichen Nachrichten der letzten Tage zu verfassen, habe ich heute abend stundenlang vor der Glotze gesessen und mir im NDR eine der vielen Sendungen zum Mauerfall-Jubiläum reingezogen, diesmal über Rock- und Popmusik in BRD und DDR und die Beziehungen dazwischen. Obwohl ich mich für Rockmusik im allgemeinen nicht besonders interessiere, war dies für mich wieder sehr interessant und lehrreich.

Anschließend gab es noch eine Sammlung DDR-Witze. Einige waren Wanderwitze, andere über Ulbricht erzählte man bei uns über Lübke, aber einige waren wirklich schön. Am besten gefiel mir der:

Ulbricht besucht den Hafen Warnemünde; da liegen drei Schiffe, abfahrbereit. Er geht zum ersten Schiff und fragt die Crew: "Wo fahrt ihr hin?" "Nach Kuba". "Was bringt ihr dorthin?" "Maschinen und Fahrzeuge". "Und womit kommt ihr zurück?" "Mit Apfelsinen". "Apfelsinen, nu, gut, sehr nützlich". Er geht zum zweiten Schiff: "Wo fahrt ihr hin?" "Nach Angola". "Was bringt ihr hin?" "Maschinen und Fahrzeuge". "Womit kommt ihr zurück?" "Mit Bananen". "Bananen, sehr gut, die fehlen uns". Nun zum dritten Schiff: "Wo fahrt ihr hin?" "In die Sowietunion". "Was bringt ihr hin?" "Apfelsinen und Bananen". "Und womit kommt ihr zurück?" "Mit der Bahn".

Die Ursache für den wirtschaftlichen Kollaps der DDR zusammengefasst in einem kleinen Witz...

 

Darüber liest man ja schon öfter, auch darüber, dass weltweit ein paar Modeschau-Veranstalter allzu dünne Models nicht mehr nehmen.

Gestern hatte das ZDF-Nachtstudie das Thema Mode ("Kleider machen Leute"), und ich hoffte, da würde auch einmal über das Phänomen der skelettdürren Models diskutiert. Aber ich wurde enttäuscht. Volker Panzer sprach es an, aber der Modeschöpfer Michael Michalsky ging elegant darüber hinweg – und weg war das Thema!

Dabei zeigt sich mir hier die ganze Chizophrenie des Modebetriebs: Michalsky sprach vollmundig darüber, dass er bei seiner Mode Trends aufgreife, er wolle Mode für die heutige Jugend machen etc. Aber die Jugend ist nicht klapperdürr (im Gegenteil, sie wird immer dicker...).

Ich wäre gerne einmal der Frage nachgegangen: an wen wenden sich eigentlich diese Modeschauen? Auch die Damen, die da zuschauen, die Kundinnen der Modehäuser, würden in diese Kleider nicht hineinpassen. Man hört, dass mittlerweile die Fotos von spindeldürren Models nachbearbeitet werden, um ihnen mehr "Fleisch" zu geben.

Was geht eigentlich in den Köpfen der Modedesigner oder -Veranstalter vor? Solche Hungergestalten können doch nicht ernsthaft ihr Schönheitsideal sein. Ist da eine merkwürdige Art von Sadismus am Werk, ein Auskosten ihrer Macht, dass sie mit ihren Forderungen Frauen zum Hungertod - wie ja schon geschehen - bringen können?

Das müsste einmal psychologisch durchleuchtet werden.

 

Heute auf Arte eine französische Krimikommödie "Das Geheimnis des gelben Zimmers". Wirklich ungeheuer witzig gemacht. Hat jemand das gesehen? Mich würden Meinungen interessieren.

Danach im Ersten Richlings Satiregipfel. Ganz lustig, aber ohne viel Tiefgang, kann der "Anstalt" weiterhin nicht das Wasser reichen. An schärfsten noch Andreas Rebers, bei dessen Zynismen man immer nicht weiß, auf welcher Seite er eigentlich steht.

 

Hessen verabschiedet sich, und an der Autobahn erscheint das Schild: "Sachsen-Anhalt – Land der Frühaufsteher". Oje, wir sind doch solche Spätaufsteher und Nachtvögel! Sind da alle Geschäfte, Museen und Lokale um sieben Uhr morgens geöffnet und um neun Uhr abends geschlossen? Oder ist das ganz anders gemeint, z.B. dass die Sachsen-Anhalter so clever sind, alles viel früher merken als andere?

Jedenfalls sind sie nett. Die Autobahn ist irgendwo noch nicht fertig gebaut, wir fahren bei Eisleben zu früh ab, eine Abfahrt auf die Bundesstraße ist auch gesperrt, wir verfransen uns fürchterlich, fragen ein paarmal und bekommen sehr freundliche und geduldige Auskünfte, so dass wir weiter nach Halle fahren können, wo uns allerdings der ADAC-Routenplaner sehr im Stich lässt. Über lauter aufgeständerte Schnellstraßen fahren wir fast einmal um die Stadt herum, bis wir endlich in eine bewohnte Gegend abbiegen können, wieder einen netten Sachsen-Anhalter (ja ich weiß, es heißt "Anhaltiner" ;-)) fragen und nach dessen sehr genauen Angaben sofort die Burg Giebichenstein, das Info-Zentrum Fährstraße und den Wohnmobil-Stellplatz dahinter finden.

Inzwischen ist es Abend, das Zentrum natürlich geschlossen, und als Öffnungszeiten steht da "10°° - 18°°". Beruhigend.

Am nächsten Morgen, Samstag, ist die Tür zum Zentrum nach 10 Uhr noch geschlossen; gegen halb elf hält ein Auto auf dem leeren PKW-Parkplatz, ein junger Mann steigt aus, zockelt sehr gemütlich auf die Info-Tür zu, schließt auf, geht hinein und lässt die Tür offen. Dieser Umgang mit Zeitangaben kommt uns ja gar nicht nach "Land der Frühaufsteher", sondern beruhigend rheinländisch vor. Wir überlegen, dass der Werbespruch vielleicht als Selbstironie gemeint ist. Erst nach der Rückkehr erfahre ich aus dem Internet (über einen Link vom Blauen Büffel), dass er doch ernst gemeint ist, aber ganz anders :-).

Halle

Nach ein paar Auskünften dieses Frühaufstehers ein erster Stadtbummel, den ich aus Uhus Gesundheitsgründen allein machen muss. Erstmal ein großes Lob den Verkehrsbetrieben! Nachdem ich das System des Fahrkarten-Automaten kapiert habe – auch hier eine nette junge Frau an der Haltestelle, die mir unaufgefordert alles erklärt -, stelle ich fest, dass sich Aachen eine Scheibe davon abschneiden könnte: Einheitstarif 1,70 € für die ganze Stadt, Gültigkeit einer Karte 1 Stunde, natürlich auch leicht ermäßigte Viererkarte; außerdem von unserem Platz aus beste Verbindung zum Marktplatz. Und nicht nur eine Ansage der Haltestellen, sondern gleich eine Lyrik über die entsprechende touristische Attraktion dazu: "Archäologisches Landesmuseum mit der berühmten Himmelsscheibe von Nebra". Na bitte, deshalb sind wir ja hier!

Der Marktplatz soll einer der schönsten Europas sein – na, ich würde sagen sicher einer der größten... Er ist lebhaft – Aktion "Halle macht blau", auch auf den angrenzenden Straßen. Ein schöner Turm, eine schöne Kirche, ein paar schöne alte Häuser, und allgegenwärtig: Martin Luther. Der ist in dieser Gegend wohl, was bei uns Karl der Große ist und anderswo Goethe. Wo er auf seinen vielen Reisen mal geschlafen hat, wo er mal in einer Kirche gepredigt hat, steht das auf einer Tafel. Das ergibt für mich die Schwierigkeit mit dem Postkartenkauf. Ich bin zwar evangelisch, aber in unserem Freundeskreis gibt es niemanden, denen eine Karte mit Martin Luther in einer Ecke viel sagen würde, aber doch einige brave Katholiken, die wir damit kränken könnten. Also kaufe ich diese "Herzliche Grüße aus..."-Karten mit vielen kleinen Bildern.

Am Sonntag dann fahren wir die zwei Haltestellen zum Archäologischen Landesmuseum, bleiben den ganzen Tag und werden nicht einmal fertig. Wirklich sehr interessant gemacht das ganze. Uns interessiert nun mal die Menschheitsgeschichte vom Homo erectus angefangen; die Himmelsscheibe von Nebra ist nur eine Sache unter vielen.

Am Montag sind nicht nur die Museen sind geschlossen, sondern auch die Saaleschifffahrt hat Ruhetag, und Uhus Knie nimmt ihm die gestrige Museumslatscherei übel. Ich bummle an der Saale entlang, gerate über einen fast schwindelerregenden "Gebirgspfad" in einen schönen Park (Heinrich-Heine-Park?), sehe von Ufer aus ein paar steile Felsen, eine schöne Gegend. Überhaupt stelle ich auch später von der Straßenbahn aus fest, dass Halle viele Parks und Grünanlagen zum Schlendern hat.

Am Dienstag dann die Saale-Rundfahrt bis Salzmünde und zurück. Ein romantisches Flüsschen, die Ufer grün, grün, grün in allen Schattierungen. Eine wunderschöne und ruhige Fahrt, mit einer jungen Kapitänin, die sehr schön alles erklärt. Uhu fasziniert vor allem, wie sie das doch recht große Schiff in Millimeterarbeit in die Schleuse hinein manövriert. Ich frage mich: eine Schiffskapitänin – gibt es das bei uns im Westen eigentlich auch schon??

Am Mittwoch nimmt Uhus Knie ihm das dreistündige Vibrieren des Schiffsmotors vom Vortag übel, und ich habe keine Lust auf weitere Besichtigungen. Ich will Natur, fahre bis Linie 7 bis zur Endstation und wandere dreieinhalb Stunden durch die Dölauer Heide. Ich hatte Sonnencreme und Kopfbedeckung mitgenommen – bei diesem Sonnenwetter über eine Heide wandern! - , aber diese Heide ist wohl seit langem naturbelassen, und wie überall in unseren Breiten ist darauf eben Wald gewachsen, ein schöner Mischwald, ich bekomme sogar ein Reh zu sehen.

Übrigens haben wir in Halle dreimal richtig gut gegessen: ein paar Schritte von unserem Stellplatz das Gasthaus "zum Mohr", wo man nach des Tages Hitze in einem sehr schönen Garten im Schatten sitzen und gutbürgerlich essen konnte; der Saale-Unstrut-Wein ist auch was Feines.

Auf dem Weg nach Nebra

Aber dann geht es am Donnerstag natürlich weiter auf unserer Archäologie-Route: Zur Arche Nebra! Der Weg führt über Langeneichstädt, wo die "Dolmengöttin" zu besichtigen ist. Wir haben uns die Strecke genau erklären lassen, es sind auch genügend braune Schilder angebracht. Mitten zwischen den Feldern eine ansteigende Wiese, ein Hügelgrab wie wir es aus Norddeutschland kennen: ein Gang zwischen aufgerichteten Steinplatten. Darin hat man eine Stele gefunden, mit einer Ritzung, die mit viel Fantasie als ein Frauengesicht interpretieren kann – die "Dolmengöttin". Diese Stele, für mich etwa brusthoch, steht jetzt oberhalb des Grabeinganges. Uns interessiert aber auch der hohe mittelalterliche runde Turm auf der höchsten Stelle des Geländes, unten keine Tür, nur sehr weit oben eine vergitterte Türöffnung, darüber noch eine Öffnung mit einer "Nase", wie um etwas mit einem Seil heraufzuziehen. Offenbar ein Wacht- oder Wehrturm.

Inzwischen ist noch ein jüngeres Paar angekommen. Er hat zwei dünne Stäbe in der Hand. Sie hält eine Hand eine Zeitlang dicht über die Dolmengöttin, dann breitet sie die Arme zu beschwörenden Bewegungen aus. Er geht oberhalb des Grabes auf und ab, die Stäbe wie eine Wünschelrute haltend. Da halten wir uns lieber ganz raus....

Und nun zur Arche. Die ist nicht in Nebra, sondern in Wangen, genauer Kleinwangen. Nach 18 Uhr parken wir uns auf dem großen Parkplatz auf einem der Wohnmobil-Plätze ein. Die einzige Gaststätte hat natürlich gleichzeitig mit dem "Erlebnis-Zentrum" geschlossen, das "Schlosshotel" mit seinem großen einladenden Schild ist noch mitten im Bau bzw. der Renovierung, die letzten PKWs fahren allmählich ab, die nächsten Häuser sind ziemlich weit entfernt, und wir können uns auf eine wunderschöne Nacht in der Einsamkeit vorbereiten.

Vollmond über der Arche Nebra

Und die Nacht wird, für mich wenigstens, wirklich wunderschön. Irgendwann wache ich auf und finde, dass es recht hell ist, aber es ist 1 Uhr 15 nachts.. Die Laternen auf dem Parkplatz sind ausgeschaltet. Aber durch das Dachluk scheint der Vollmond! Fast taghell erleuchtet er alles. Das erlebt man als Stadtmensch nicht oft – Einsamkeit, Felder, Waldrand, und darüber der Vollmond! Es scheint kühl zu sein, also Wanderhose, Anorak, Wanderschuhe, und hinaus!

Ich gehe langsam die Straße zur Arche hinauf, fast auf den Mond zu, der alles hell beleuchtet. Weiß leuchten die Felder in dem leicht gewellten Gelände, dahinter schwarz der Wald, dunkel einzelne Bäume, oben das Gebäude mit den harten Konturen, die vom Mond beschienene Seite grellgelb, die Schatten lang und scharf. Und es ist ganz still.

Am Ende des Platzes geht nach rechts ein baumbestandener Weg. Ich gehe unter die Bäume, bis der Mond für mich bedeckt ist, damit ich wenigstens ein bisschen vom Sternenhimmel sehen kann, denn der Mond überstrahlt natürlich den Himmel. Unter dem Mond ein Planet, wahrscheinlich Jupiter – zu dumm, dass wir sowohl unser Kosmos-Himmelsjahr als auch die Sternkarte vergessen haben! Fast im Zenit ist Kassiopeia zu sehen. Nahe bei ihr muss Perseus sein, aber von ihm sind nur einige Sterne schwach zu erkennen, nicht der Fuß, und unter dem Fuß wären doch die Pleiaden, die hier so eine große Rolle spielen. Erst am nächsten Tag in der Ausstellung ist mir klar: natürlich, das Verschwinden der Pleiaden vom Sternenhimmel markiert ja den Zeitpunkt der Aussaat und ihr Wiedererscheinen den Beginn der Ernte; im Moment stehen sie so niedrig über dem Horizont, dass man sie von hier, und gar bei diesem Mondlicht, nicht sehen kann. Ich gehe den Weg nicht weiter – und bereue das später, als ich erfahre, dass er zu der Fundstätte der Scheibe führt. In dieser Atmosphäre an der Stelle zu stehen, wo die Himmelsscheibe vergraben war, hätte mir etwas bedeutet (verrückt, oder?).

Ich gehe um das Gebäude herum, jenseits blickt man über das Tal der Unstrut mit der kleinen Siedlung und vielen Bäumen; der Fluss ist nicht zu sehen. Vor dem Haupteingang des Gebäudes stehen zwei sehr lange und breite, flache Bänke. Ich lege mich auf eine, sehe in den Mond, schließe die Augen und denke: wenn ich alleine wäre, würde ich jetzt hier einschlafen wollen. Das war ja schon immer mein Traum, ich habe es schon mal beschrieben, mal so eine Nacht draußen zu verbringen. Jetzt ist der Traum fast in Erfüllung gegangen. Aber die Bank ist doch recht hart, außerdem wird die Stille jetzt durch das sehr laut werdende Geräusch eines fahrenden Autos unterbrochen, gleich wird es hier sein. Aber das Auto fährt weit unten auf der Straße im Tal.

Schließlich, nach 3 Uhr, reiße ich mich los und gehe langsam wieder abwärts, den Mond jetzt im Rücken. Immer wieder muss ich stehenbleiben und den Anblick dieser weißen und schwarzen, welligen Landschaft in mich aufnehmen. Rechts geht ein Feldweg von der Straße ab, an einem Haus vorbei und weiter, und ich denke wieder: wäre ich allein, würde ich jetzt dort abbiegen und noch eine Weile im Mondlicht wandern. Aber ich bin dann doch um halb vier wieder im Wagen, wo Uhu den Mond und die Landschaft vom Fenster aus betrachtet hat.

Arche Nova bei Tag und weiter

Nach dem Frühstück nehmen wir gegen elf Uhr den Shuttlebus zur Arche und sehen und hören uns absolut alles an, was es zu sehen und zu hören gibt. Es ist wirklich sehr gut, interessant und informativ gemacht. Am Schluss sehen wir uns an und sagen: Bewundernswert, was man aus NICHTS machen kann! Aus Nichts, denn die Scheibe ist ja gar nicht hier. Was macht man statt dessen bei uns in Aachen?? Da wird, sobald man römische Reste entdeckt, alles gerade mal kartiert und möglichst schnell wieder zugebuddelt. Immerhin haben sie jetzt endlich einen Stadt-Archäologen angestellt, und es werden ein, zwei "Fenster" zu mittelalterlichen Mauerresten arrangiert. Wir haben Relikte eines Feuerstein-Bergbaus aus dem Anfang der Jungsteinzeit vor 5000 Jahren; da steht gerade mal eine Holztafel, auf der ein bisschen darüber erzählt wird (ich glaube, die Schrift ist schon wieder verblasst).

Und nun müssen wir noch nach Goseck, das Sonnenobservatorium ansehen. Ein rekonstruierter doppelter Ring von hölzernen Palisaden, der hier vor 7000 Jahren stand, mit Öffnungen, durch die die aufgehende Sonne an bestimmten Tagen im Jahr zu sehen war, also auch wieder ein Kalender für die Landwirtschaft. Es ist sehr heiß, wir sind abgekämpft und halten uns deshalb nur kurz auf, aber interessant ist es schon.

In der Arche habe ich ein Taschenbuch gekauft: "Tatort Himmelsscheibe" von Thomas Schöne, Mitteldeutscher Verlag.. Das beschreibt im Stil eines Krimis den ganzen Hergang des Fundes der Himmelsscheibe und gibt einen Einblick in die Machenschaften von Raubgräberei, Antiquitätenhandel, Hehlerei, Intrigen unter Wissenschaftlern, und die Bedeutung solcher Funde für den Tourismus, d.h. für die Wirtschaft in einem Land wie Sachsen-Anhalt. Spannend!

Naumburg und nach Hause

Von Goseck ist es nicht weit bis Naumburg. Am Samstag beruhigt Uhu auf dem gut besuchten Wohnmobil-Stellplatz sein Knie bei ein paar hoffentlich netten Plaudereien mit Nachbarn, während ich mir die Stadt anschaue, und vor allem natürlich den Dom. Denn ich will endlich Uta und Ekkehard sehen, deren Schwarz-Weiß-Fotos aus dem Oberstufen-Lesebuch meiner Schulzeit sich mir tief eingeprägt haben.

Der Dom empfängt mich zunächst mit einem kleinen Schock: Ich finde den Eingang nicht. Am Souvenir-Shop gehe ich natürlich vorbei, aber da ist sonst kein Eingang. Der Eingang ist doch im Souvenir-Shop, und da ist eine Kasse, und der Dom kostet Eintritt! Das ist für mich ungewohnt. Bei uns im Rheinland sind die alten sehenswerten Kirchen katholisch, natürlich kann da jederzeit jeder hinein, da sitzen oder knieen immer Leute und beten, und Schilder bitten den Touristen, die Betenden zu respektieren; die Kirchen sind lebendig. Dieser Dom hier ist in erster Linie Museum, und eine Tafel mit Erläuterungen klärt darüber auf, dass die evangelische Kirche immerhin Nutzungsrecht hat. Nutzungsrecht.... Dementsprechend lässt mich das Innere des Doms erst mal kalt. Es gibt ein paar schöne Dinge zu sehen; am meisten interessieren mich Kleinigkeiten wie die Handläufe der Treppen zum Lettner: Bürger, Vertreter der Stände, klettern an einer Schlange hinauf zum Paradies. Dann der Westchor. Was ich gar nicht wusste: Uta und Ekkehard sind nicht die einzigen; es sind zwölf Stifterfiguren, und alle, so weit ich sie sehen kann, denn die eine Seite ist eingerüstet, sind sehr schön und lebendig. Ich weiß gar nicht, warum immer nur auf die Uta abgehoben wird; da ist eine sehr gemütlich lachende Frau (Name vergessen) und eine ältere, sanfte, und ein schönerer Mann als der Ekkehard.

Irgendwann bedeutet mir eine Kustodin, dass ich gehen soll, weil jetzt ein Gottesdienst anfängt. Die Evangelen nehmen ihr Nutzungsrecht wahr, der Dom wird proppenvoll, ich wundere mich. Einschulungsgottesdienst! Lehrer, Eltern, Kinder, einige mit Schultüten, ein kleines Orchester nimmt Aufstellung, es wird fotografiert, ich lasse mir das Liederblatt geben – Mut machende Lieder für die Kinder. Zum Gottesdienst zu bleiben wäre mir zu lang, aber ein Foto will ich doch machen – und mein Händi sagt: "kein Speicherplatz frei" :-(. Ich gehe, aber es ist ein schöner Abschluss des Dombesuchs.

Am Sonntag nehmen wir die B49 durch schöne Landschaft mit langen Umleitungen, weil in zwei Dörfern Feste gefeiert werden (Einschulungsfest?? :-), dann die Autobahn nördlich des Thüringer Waldes mit entsetzlichem Stau hinter Bad Hersfeld, übernachten in Grünberg, einem puppigen Städtchen in Hessen, und sind Montag abend im heimatlichen Aachen, bei völlig untypisch schönem Wetter.

Über die unangenehmen Begegnungen auf dieser Reise, nämlich mit einer sachsen-anhaltinischen und einer hessischen Wespe, berichte ich noch extra.

 

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