Das hört und liest man jetzt öfter, und ich habe damit auch schon meine Erfahrungen gemacht.
Ich habe ja wohl, was man eine Wespenallergie nennt. Mit 12 Jahren lag ich drei Tage im Bett, hohes Fieber, Bauch kunterbunt wie Landkarte, mit Fünfzehn desgleichen, dann hatte ich wohl einige Antikörper entwickelt: mit Dreißig nur noch eine Woche lang unförmig dick angeschwollen, mit Fünfzig desgleichen.
Als jetzt auf der Reise in Halle so ein Biest im Wagen in meine weite Hose gekrochen war und mich am Knie stach, hoffte ich, das würde bald vorbeigehen – aber denkste! Beim Hinsehen wurde das Knie zum Ballon, desgleichen allmählich auch die Hälfte von Ober- und Unterschenkel. Zum Glück war das Ganze nicht schmerzhaft und auch nicht weiter störend in der Bewegungsfreiheit. Auf Uhus Rat schmierte ich ständig Fenistil drauf (ich behaupte ja, das hilft nur gegen Juckreiz, aber er behauptet, es hilft auch gegen die allergischen Reaktionen...:), und nach einer Woche war es abgeschwollen.
Aber manchmal sind sie gemein
Und genau in dem Moment kam die nächste an, und die war gemein. In Grünberg in Hessen, gerade als wir alles zur Rückreise fertigmachten, kroch das Biest in meine Trecking-Sandale unter den rechten großen Zeh, stach da hinein und blieb da auch noch sitzen. Uhu musste sie mit Mühe wegfegen. Im Nu hatte ich einen Elefantenfuß – kein Denken an Hineinkommen in irgendeinen geschlossenen Schuh, außerdem klopfte und zuckte es immer wieder, so dass ich damit lieber nicht auf der Autobahn auf einen Gashebel trat. Uhu musste die Fahrt nach Hause allein machen (sonst wechseln wir uns nach ca. 2 Stunden ab).
Zu Hause machte ich mir Sorgen, wie ich denn mit diesem Fuß notwendige Einkäufe etc. erledigen könnte, und in der Hoffnung, das Abschwellen irgendwie beschleunigen zu können, rief ich ein Taxi, um die sieben Gehminuten zum Arzt zu überwinden (der Taxifahrer war sehr verständnisvoll). Dieser verschrieb mir eine Lösung namens Rivanol zum Umschläge machen, nicht ohne mir einzuschärfen, ja aufzupassen, weil sie nicht entfernbare Flecken in die Kleidung machen kann. Und zwei, drei Tage würde es schon dauern, und ich sollte nicht viel gehen. Na ja, nach zweieinhalb Tage war die Flasche all, der Fuß noch dick wie vorher, und mir wurde klar, dass es mit Wespenstichen eben ist wie mit Erkältungen: mit Medikament dauert es eine Woche, ohne sieben Tage. Die Woche ist jetzt fast um, und gestern konnte ich wieder in geschlossenen Schuhen einkaufen gehen; der rechte Fuß ist fast, aber nicht ganz so dünn wie der linke.
In all den Artikeln, die zur Zeit über Verhalten zum Schutz vor Wespen geschrieben werden, vermisse ich die Information: um diese Zeit gegen Ende des Sommers (und ich bin immer um diese Zeit gestochen worden) fliegen die Wespen tief und kriechen am Boden, auch im Haus, besonders auf hellen Teppichböden – suchen sie Plätze für einen Nestbau für den Winter?? Sie kriechen von unten in die Hose hinein, barfuß sollte man überhaupt nicht durchs Zimmer gehen, oder höllisch aufpassen.
Dabei sind es doch so liebe Tierchen....
An sich kommen wir seit Jahren mit ihnen sehr gut aus. Beim Frühstück auf der Terrasse.
Das ist auch so eine Legende, dass die Wespen nur auf Süßes gehen. Im Gegenteil – im frühen Sommer wollen sie Fleisch! Wir frühstücken mit Aufschnitt; die Wespen kommen an, setzen sich auf Wurst oder vorzugsweise Schinken und säbeln. In aller Ruhe und mit Kraft schneiden sie ein Stück heraus, packen es zwischen die Vorderfüße und fliegen davon. Faszinierend zu beobachten. Manche nehmen Stücke, halb so groß wie sie selbst, dann haben sie Mühe, Höhe zu gewinnen, zickzacken ein bisschen unten herum, - eine krabbelte auf den Deckel der Butterdose, um abheben zu können – aber immer schaffen sie es, ganz hoch davonzufliegen.
In einem Jahr haben wir sie markiert. Den alten Tuschkasten mit den Temperafarben gesucht, einen dickeren Pinsel, und dann wenn so ein Tierchen vertieft in seine Arbeit war – Jusch, mit dem Pinsel in Rot, Blau oder Grün drüber. Die bekam natürlich einen Schreck und flog weg, aber sie kam wieder. Den ganzen Sommer kamen sie wieder. Sie gehörten zu verschiedenen Stämmen, in verschiedene Richtungen flogen sie davon.
Offenbar sitzen sie morgens schon in der Hecke und warten. Sobald der Tisch gedeckt ist, machen sie einen kleinen Orientierungstanz über dem Aufschnitt, suchen sich die beste Stelle und tun in aller Ruhe ihre Arbeit. Nur einmal hat wohl eine Uhus Unterlippe mit dem Schinken verwechselt und angefangen zu säbeln... Durch kurzes Pusten konnte er sie aber loswerden. Manchmal legen wir auch ein kleines Stück Schinken auf das Geländer neben dem Tisch, dann haben wir unsere Ruhe.
Dieses Jahr ist es anders.
Außer den zielstrebigen, ruhigen, erfahrenen Arbeiterinnen kommen diesen Sommer kleinere, offenbar jüngere, die sind wahnsinnig hektisch, wespeln überall herum und schneiden nur ganz kleine Stücke aus dem Schinken, die sie ins Maul nehmen zum Wegfliegen. Sie gehören offensichtlich verschiedenen Stöcken an, jagen sich gegenseitig weg, ja oft prügeln sie sich! Wie Ringer in einander verkeilt wälzen sie sich auf dem Tisch; Uhu hat beobachtet, dass sie den Unterleib verdrehen, um die Gegnerin mit ihrem Stachel zu stechen.
Jetzt scheint die Zeit der Brutpflege durch Fleisch zu Ende zu gehen, jetzt gehen sie in den Honigtopf. Wir kleksen etwas Honig auf das Geländer; fünf, sechs, sieben kleine Wespen setzen sich drauf, pumpen sich voll, fliegen weg, aber sie wespeln auch dauernd dicht um uns herum, krabbeln auf mein Haar und meine Bluse. Ich überlege mir, ob das mit der Farbe meiner Kleidung zu tun hat und tausche die hellgelbe Bluse gegen eine hellgrüne, da wird es etwas besser.
Aber neulich beim Abendbrot: hauptsächlich Kartoffeln und Gemüse, doch, auch ein bisschen Hähnchengeschnetzeltes – die Wespen waren wie verrückt. Allerdings würzen wir immer gut; ob es an dem Duft von Koriander, Korianderblättern, Salbei und Thymian lag, der mit dem Dampf von den Tellern aufstieg? Aber sie rührten das Essen nicht an, blieben auch nicht über den Tellern, sondern umschwirrten mich, krochen auf mir rum. Schließlich nahmen wir die Teller, flohen nach drinnen und schlossen die Tür.
Dabei sind es doch so liebe Tierchen!
Heute morgen waren wieder nur brave alte Arbeiterinnen da, gegen die haben wir nichts.
PS am 17.9. um 01:30. Vor einer Stunde saß im Zimmer an der Wand eine Hornisse. Uhu hat sie mit dem Tisch-Staubsauger aufgesaugt, hinausgetragen und wegfliegen lassen. Aber ich habe darauf verzichtet, mich noch ein Weilchen auf die Terrasse zu setzen, wie ich eigentlich vorhatte. Das wird mir jetzt langsam unheimlich mit den Viehchern.