blogage.de > Mit den Augen einer alten Eule
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Seit einiger Zeit wussten wir, dass wir dieses Wochenende in die Eifel wollten, nach Nürburg. Wir hatten Bedenken wegen Schnee und Glatteis; Uhu fürchtete die der steile, gewundene Abfahrt ins Ahrtal – da kann man schon ins Schleudern kommen.

Aber dann wurde es ja warm, und am Freitag war die Eifel grün, bei größtenteils strahlender Sonne ging alles wunderbar.

Aber heute! Irgendwann hatte ich im Radio was von "Orkanböen" gehört, und beim Frühstück wurde unser Wohnmobil ganz schön durchgeschaukelt. Ich war mit Fahren dran und verdrängte die Überlegung, ob ich unsere 3,7 t bei einer Orkanbö in der Spur halten kann. Nur der Vorsatz: so fahren, dass ich rechtzeitig den hinter der Kurve quer über die Straße liegenden Baum sehen kann...

Ganz so schlimm war es nicht. Natürlich überall Gestrüpp und kleinere Äste auf der Fahrbahn.

Aber die Steigung von der Ahr aufwärts war schön! Die Aufwärtsfahrbahn ist zweispurig, und das ist auch nötig; normalerweise schleichen wir dort in niedrigem Gang am Schluss mit 60 kmh nach oben. Heute kam Xynthia genau von hinten – fast ohne aufs Gas zu drücken wurde ich mit 90 km/h die ganze lange Strecke bis oben geschoben, klasse! :-D.

Aber dann auf der Gegenfahrbahn doch eine kleinere Fichte, deren Spitze schon abgefahren war, und kurz vor der Autobahn ein richtig langer und dicker Fichtenstamm, der die Gegenfahrbahn voll und unsere halb versperrte; wir kamen aber noch vorbei.

Auf der Autobahn Kerpen-Aachen allerdings hatten wir dann Xynthia voll von vorne, bei den gelegentlichen Kurven auch leicht von rechts oder links – da hieß es festhalten! An schnelles Vorwärtskommen war natürlich auch nicht zu denken. Unsere übliche Strecke vom Aachener Kreuz aus war gesperrt, Uhu sah ein paar Bäume quer liegen. Über einen Umweg kamen wir aber glatt nach Hause.

Erst als wir im Fernsehen sahen, was sonst so los war in Deutschland – z.B. in NRW der gesamte Zugverkehr eingestellt - war uns klar, dass wir uns freuen können, so gut durchgekommen zu sein, und ich war ganz zufrieden mit mir. Übrigens tun mir jetzt noch die Finger der linken Hand weh vom Lenkrad-Festhalten :-D.

 

 

nichts auf dem Kopf,  Übergangsmantel.
Strahlende Sonne vor der Brille, die Gehsteige völlig trocken.

Vorgestern war der Blick so:

heute so:

Ehrlich: vorgestern sah es schöner aus, oder?

Aber keine Bange, laut Wetterbericht wird es übermorgen wieder aussehen wie vorgestern, und Stiefel, Mütze und Windermantel werden wieder gebraucht, und auf den Gehsteigen wird man wieder zwischen Granulat und Schneematsch herumschliddern.

 

Es gibt ja Leute, und sogar einige Pflanzenbücher, die behaupten, Rittersterne könne man nicht zu einer neuen Blüte bringen. Das können wir absolut nicht behaupten.

Wir haben aus einem einzigen im Laufe der Jahre immer mehr Zwiebeln bekommen, die immer wieder geblüht haben. Das ganze Jahr auf dem Fensterbrett (Südwestlage) stehen lassen, welken lassen, eintrocknen lassen, nicht mehr drum kümmern – und ab Ende Januar schießt der Stengel hoch und zeigt ca. 14 Tage die prachtvolle Blüte. Und dann hat eine Blüte tatsächlich dicke Fruchtknoten mit Samen gemacht, die haben wir in ein Winztöpfchen eingesät, und nach ich weiß nicht wieviel Jahren war daraus auch eine blühende Pflanze geworden. Jetzt kommt wieder so eine hoch.

Vor ca. einer Woche zeigte wieder die erste der trockenen Zwiebeln ein grünes Spitzchen. Wir haben uns aufgerafft, den im Laufe der Jahre halb leer gewordenen Topf mit neuer Erde aufzufüllen. Sie hat auch mit immer weniger werdender Erde jedes Jahr geblüht, und wir hatten Angst, dass sie uns das Umtopfen übelnimmt, aber sie hat es uns gedankt und wächst jetzt beim Hinsehen.

Da haben wir heute eine Großaktion gemacht und allen anderen Zwiebeln auch mehr Erde gegeben, der zweiten, die gerade ihre Spitze zeigt und den anderen drei, die noch trocken sind.

Und weil wir gerade dabei waren, wurde auch unser armer Christusdorn umgesetzt. Er sieht ja wirklich traurig aus. In den Büchern habe ich wenig über seine Pflege gelesen – zu viel gegossen, zu wenig gegossen, zu viel oder zu wenig gedüngt, oder alles zur falschen Zeit? In einem Internet-Forum fand ich die Beruhigung, dass er sich auch wieder erholen kann. Das Kleine rechts neben ihm, ist der Ritterstern aus Samen, vor zwei oder drei Jahren gesät. Jetzt kann man schon eine ganz kleine Zwiebel fühlen.

 

Sie war im Garten wirklich erstaunlich schön halb aufgeblüht. Als vor der Sturm sie zu knicken drohte, habe ich sie ins Zimmer genommen. Sie hat es mir gedankt , indem sie prachtvoll aufgeblüht ist und nach fast einer Woche immer noch lebt.    
Uhu hat sie fotografiert.

          I                                                             

...sich an den Gedanken zu gewöhnen, dass der Sommer für dieses Jahr endgültig vorbei ist. Komisch, dass es mir dieses Jahr so besonders schwer fällt.

Heute nach der Wettervorhersage für diese Nacht in den Keller gegangen und das Wasser der Therme nachgefüllt, dann die Heizkörper entlüftet, die Verdampfer aufgefüllt, den Thermostat auf "auto" gestellt – Heizung an!

Dabei können wir nicht meckern; in anderen Jahren haben wir manchmal schon im September geheizt.

 

Der Wetterbericht hatte es ja angekündigt: zwei Tiefs bringen heute Wolkenmassen aus Süd und Südwest, sehr warme Luft, aber keine Sonne, sondern eher Regen.

Unsere Terrasse ist an der Nordostseite des Hauses, also heute ganz windgeschützt. Man trat hinaus in die warme, fast stickige Luft, 19°C. Am Himmel immer wieder neue Wolkenmassen. Aber doch: immer wieder ein Sonnenstrahl! Ganz schüchtern scheint dann die Sonne hinter etwas weniger dichten Wolken.

Im Gärtchen blüht nichts mehr. Neulich habe ich auf dem Markt zwei lila Astern und eine gelbe und eine dunkelrote Chrysantheme gekauft und die im Garten verteilt, damit wenigstens wieder etwas Farbe hinein kommt. Die Rosenstöcke sind fast kahl nach einem Schädlingsbefall, aber eine macht doch wieder eine ganz kleine Knospe – ob die wohl im November aufblüht? Die Fuchsien in den Fensterkästen haben ihre Hauptblütezeit auch hinter sich.

Nur die Fleißigen Lieschen an der Mauer blühen jetzt wieder in voller Pracht.

 

 

Wenn die schüchterne Sonne sie trifft, leuchten sie.

 

Richtig Herbst ist es noch nicht. Der Wilde Wein, der beim Nachbarn alle Bäume überwuchert und zu uns herüber hängt, beginnt gerade erst, an manchen Stellen rot zu werden.

 

 

Heute konnten wir draußen frühstücken, bis dann doch ein paar feine Regentropfen kamen. Morgen soll mehr Sonne kommen, aber dafür kältere Luft vom Norden. Schade.

 

 

Mit einem leichten Knall fiel sie von oben herunter auf das Fensterbrett und kreiselte rasend schnell um sich selbst, auf dem Rücken liegend.

Früher hätte ich ihr mit Hilfe irgend eines Gegenstandes auf die Beine geholfen und noch einen Klecks Marmelade hingetupft, damit sie sich erholen kann. Aber nach meinen üblen Erfahrungen mit Wespen in diesem Sommer hatten wir uns entschlossen, ab jetzt die Wespen zu erschlagen.

Soll ich sie erschlagen? Das fiel mir schwer. Warum erschlagen, sie stirbt ja wahrscheinlich jetzt; die Wespen sterben jetzt. Aber wäre es nicht doch humaner, sie zu erschlagen, statt dass sie sich lange quälen muss?

Sie musste sich nicht lange quälen. Bevor ich den Gedanken zu Ende gedacht hatte, hörte das wilde Kreiseln auf. Die Wespe lag still auf dem Rücken, die Beinchen aufrecht vor der Brust gefaltet. Nur ein Flügel stand noch senkrecht ab. Nach ein paar Sekunden sank der Flügel schlaff herab. Ich schob das Brotmesser unter ihren Leib, sie regte sich nicht, sie war leblos.

Ich trug sie auf dem Brotmesser zum Bio-Eimer.

Herbst.

 

Das hört und liest man jetzt öfter, und ich habe damit auch schon meine Erfahrungen gemacht.

Ich habe ja wohl, was man eine Wespenallergie nennt. Mit 12 Jahren lag ich drei Tage im Bett, hohes Fieber, Bauch kunterbunt wie Landkarte, mit Fünfzehn desgleichen, dann hatte ich wohl einige Antikörper entwickelt: mit Dreißig nur noch eine Woche lang unförmig dick angeschwollen, mit Fünfzig desgleichen.

Als jetzt auf der Reise in Halle so ein Biest im Wagen in meine weite Hose gekrochen war und mich am Knie stach, hoffte ich, das würde bald vorbeigehen – aber denkste! Beim Hinsehen wurde das Knie zum Ballon, desgleichen allmählich auch die Hälfte von Ober- und Unterschenkel. Zum Glück war das Ganze nicht schmerzhaft und auch nicht weiter störend in der Bewegungsfreiheit. Auf Uhus Rat schmierte ich ständig Fenistil drauf (ich behaupte ja, das hilft nur gegen Juckreiz, aber er behauptet, es hilft auch gegen die allergischen Reaktionen...:), und nach einer Woche war es abgeschwollen.

Aber manchmal sind sie gemein

Und genau in dem Moment kam die nächste an, und die war gemein. In Grünberg in Hessen, gerade als wir alles zur Rückreise fertigmachten, kroch das Biest in meine Trecking-Sandale unter den rechten großen Zeh, stach da hinein und blieb da auch noch sitzen. Uhu musste sie mit Mühe wegfegen. Im Nu hatte ich einen Elefantenfuß – kein Denken an Hineinkommen in irgendeinen geschlossenen Schuh, außerdem klopfte und zuckte es immer wieder, so dass ich damit lieber nicht auf der Autobahn auf einen Gashebel trat. Uhu musste die Fahrt nach Hause allein machen (sonst wechseln wir uns nach ca. 2 Stunden ab).

Zu Hause machte ich mir Sorgen, wie ich denn mit diesem Fuß notwendige Einkäufe etc. erledigen könnte, und in der Hoffnung, das Abschwellen irgendwie beschleunigen zu können, rief ich ein Taxi, um die sieben Gehminuten zum Arzt zu überwinden (der Taxifahrer war sehr verständnisvoll). Dieser verschrieb mir eine Lösung namens Rivanol zum Umschläge machen, nicht ohne mir einzuschärfen, ja aufzupassen, weil sie nicht entfernbare Flecken in die Kleidung machen kann. Und zwei, drei Tage würde es schon dauern, und ich sollte nicht viel gehen. Na ja, nach zweieinhalb Tage war die Flasche all, der Fuß noch dick wie vorher, und mir wurde klar, dass es mit Wespenstichen eben ist wie mit Erkältungen: mit Medikament dauert es eine Woche, ohne sieben Tage. Die Woche ist jetzt fast um, und gestern konnte ich wieder in geschlossenen Schuhen einkaufen gehen; der rechte Fuß ist fast, aber nicht ganz so dünn wie der linke.

In all den Artikeln, die zur Zeit über Verhalten zum Schutz vor Wespen geschrieben werden, vermisse ich die Information: um diese Zeit gegen Ende des Sommers (und ich bin immer um diese Zeit gestochen worden) fliegen die Wespen tief und kriechen am Boden, auch im Haus, besonders auf hellen Teppichböden – suchen sie Plätze für einen Nestbau für den Winter?? Sie kriechen von unten in die Hose hinein, barfuß sollte man überhaupt nicht durchs Zimmer gehen, oder höllisch aufpassen.

Dabei sind es doch so liebe Tierchen....

An sich kommen wir seit Jahren mit ihnen sehr gut aus. Beim Frühstück auf der Terrasse.

Das ist auch so eine Legende, dass die Wespen nur auf Süßes gehen. Im Gegenteil – im frühen Sommer wollen sie Fleisch! Wir frühstücken mit Aufschnitt; die Wespen kommen an, setzen sich auf Wurst oder vorzugsweise Schinken und säbeln. In aller Ruhe und mit Kraft schneiden sie ein Stück heraus, packen es zwischen die Vorderfüße und fliegen davon. Faszinierend zu beobachten. Manche nehmen Stücke, halb so groß wie sie selbst, dann haben sie Mühe, Höhe zu gewinnen, zickzacken ein bisschen unten herum, - eine krabbelte auf den Deckel der Butterdose, um abheben zu können – aber immer schaffen sie es, ganz hoch davonzufliegen.

In einem Jahr haben wir sie markiert. Den alten Tuschkasten mit den Temperafarben gesucht, einen dickeren Pinsel, und dann wenn so ein Tierchen vertieft in seine Arbeit war – Jusch, mit dem Pinsel in Rot, Blau oder Grün drüber. Die bekam natürlich einen Schreck und flog weg, aber sie kam wieder. Den ganzen Sommer kamen sie wieder. Sie gehörten zu verschiedenen Stämmen, in verschiedene Richtungen flogen sie davon.

Offenbar sitzen sie morgens schon in der Hecke und warten. Sobald der Tisch gedeckt ist, machen sie einen kleinen Orientierungstanz über dem Aufschnitt, suchen sich die beste Stelle und tun in aller Ruhe ihre Arbeit. Nur einmal hat wohl eine Uhus Unterlippe mit dem Schinken verwechselt und angefangen zu säbeln... Durch kurzes Pusten konnte er sie aber loswerden. Manchmal legen wir auch ein kleines Stück Schinken auf das Geländer neben dem Tisch, dann haben wir unsere Ruhe.

Dieses Jahr ist es anders.
Außer den zielstrebigen, ruhigen, erfahrenen Arbeiterinnen kommen diesen Sommer kleinere, offenbar jüngere, die sind wahnsinnig hektisch, wespeln überall herum und schneiden nur ganz kleine Stücke aus dem Schinken, die sie ins Maul nehmen zum Wegfliegen. Sie gehören offensichtlich verschiedenen Stöcken an, jagen sich gegenseitig weg, ja oft prügeln sie sich! Wie Ringer in einander verkeilt wälzen sie sich auf dem Tisch; Uhu hat beobachtet, dass sie den Unterleib verdrehen, um die Gegnerin mit ihrem Stachel zu stechen.

Jetzt scheint die Zeit der Brutpflege durch Fleisch zu Ende zu gehen, jetzt gehen sie in den Honigtopf. Wir kleksen etwas Honig auf das Geländer; fünf, sechs, sieben kleine Wespen setzen sich drauf, pumpen sich voll, fliegen weg, aber sie wespeln auch dauernd dicht um uns herum, krabbeln auf mein Haar und meine Bluse. Ich überlege mir, ob das mit der Farbe meiner Kleidung zu tun hat und tausche die hellgelbe Bluse gegen eine hellgrüne, da wird es etwas besser.

Aber neulich beim Abendbrot: hauptsächlich Kartoffeln und Gemüse, doch, auch ein bisschen Hähnchengeschnetzeltes – die Wespen waren wie verrückt. Allerdings würzen wir immer gut; ob es an dem Duft von Koriander, Korianderblättern, Salbei und Thymian lag, der mit dem Dampf von den Tellern aufstieg? Aber sie rührten das Essen nicht an, blieben auch nicht über den Tellern, sondern umschwirrten mich, krochen auf mir rum. Schließlich nahmen wir die Teller, flohen nach drinnen und schlossen die Tür.

Dabei sind es doch so liebe Tierchen!
Heute morgen waren wieder nur brave alte Arbeiterinnen da, gegen die haben wir nichts.

PS am 17.9. um 01:30. Vor einer Stunde saß im Zimmer an der Wand eine Hornisse.  Uhu hat sie mit dem Tisch-Staubsauger aufgesaugt, hinausgetragen und wegfliegen lassen. Aber ich habe darauf verzichtet, mich noch ein Weilchen auf die Terrasse zu setzen, wie ich eigentlich vorhatte. Das wird mir jetzt langsam unheimlich mit den Viehchern.

In unserer Nähe ist eine Grünanlage mit Spielplatz. Vor ewigen Zeiten war das wohl eine Kleingartenkolonie. Davon übrig geblieben sind nur eine Reihe Mirabellenbäume, die bilden im Frühling einen weißen Blütenschleier, und im Sommer streuen sie ihre goldgelben Früchte in Massen über den Rasen, ins Gebüsch und auf den Spazierweg.

Bis jetzt war ich die einzige, die von diesen Früchten mal etwas aufsammelte. Sie liegen da und verrotten – der Boden muss prachtvoll gedüngt sein! Die jungen Leute (meist Studenten) mit ihren Kindern, die die Anlage und den Spielplatz gern nutzen, trampeln drüber, sie scheinen überhaupt nicht mehr zu wissen, dass man Obst auch essen kann, wenn man es nicht im Laden gekauft hat. Ein kleiner Junge hat uns mal erzählt, seine Mutter hätte ihm eingeschärft, die Früchte seien giftig. Mich ärgert das ungeheuer; ich denke dann immer sehr gehässig: den Leuten geht es noch nicht schlecht genug...

Heute vormittag nahm ich vom Einkaufen zurück den Weg durch die Anlage, und siehe da, die Mirabellen sind reif! An zwei Stellen war der Weg wie gepflastert mit zermatschten Früchten, auch auf dem Rasen lagen viele, und natürlich im Gebüsch direkt unter den Bäumen.

Am Abend ging ich mit einer Plastiktüte hin zum Sammeln. Unter dem Baum mit den gelben Früchten saß eine junge Frau mit ein paar kleinen Kindern, eine Studentin aus den Ehepaarwohnungen bei den angrenzenden Studentenheimen. Zu meinem Erstaunen schien sie den Kindern erlaubt zu haben, die Früchte aufzuheben, wenn sie eben vom Baum gefallen und noch nicht matschig sind. Sie bestätigte auch sehr ernsthaft meine Meinung, dass es eine Sünde und Schande ist, wie dieses gute Obst hier vergammelt – schließlich ist es bestes "Bio-Obst", überhaupt nicht gespritzt. Ich kam mit den Kindern ins Gespräch, schärfte ihnen mehrmals ein, dass sie das Obst nicht sofort essen dürfen, sondern erst wenn es gründlich gewaschen ist, denn hier rennen auch viele Hunde herum. Die Kleinen (ich nehme an, so um 4 Jahre alt) waren sehr brav und interessiert. Ein Kind redete immer vom Marmeladekochen – ja das ist wirklich gut! Die Mutter schickte ein Kind sein Eimerchen holen, und dann halfen wir uns gegenseitig beim Sammeln, unter dem Baum mit den gelben Früchten und auch unter dem anderen, dessen Früchte rötlich wurden (in meiner Kindheit hatten wir so ein Bäumchen im Garten, wir nannten die Früchte "Spillen", aber es sind wohl auch Mirabellen). Es fielen immer wieder frische Früchte herunter, und wir meinten, es wäre wohl gut, wenn sie morgen früh noch mal kämen, wenn noch nicht so viele Leute und Hunde durchgekommen sind.

Ich weiß ja nicht, ob die verständnisvolle junge Frau die Ausnahme ist, die die Regel bestätigt, oder ob sich die Einstellung der jungen Leute zu Lebensmitteln etwas geändert hat. Jedenfalls hat das heute Abend mir Spaß gemacht!

 

...sind für mich eigentlich zu viel. Aber ich habe mich geniert, mir einen Becher von 3 Kugeln einpacken zu lassen.

Sommer vor der Terrasse.

Das ist schön, wollte ich gerade schreiben – aber jetzt kommen die Schwaden um die Hausecke; irgendwo wird immer gegrillt am Samstag Abend! Der Rauch steigt so richtig hoch zwischen Ahorn und Fichte – machen die ein großes Feuer?? Leider kann ich das zwischen dem dichten Gebüsch nicht sehen, aber ich muss wirklich husten. Noch eine hohe Rauchfahne – muss ich die Feuerwehr rufen? Erst mal Tagesschau gucken. Inzwischen ist der Rauch weg – und Pistazie, Stracciatella, Heidelbeer und sogar Honigmelone sind auch verschwunden. Aber es stinkt noch immer – nein, schon wieder! Nicht auszumachen, wo die sitzen, die nicht vernünftig zu grillen verstehen; man hört die Stimmen, aber kann sie nicht sehen.

Es ist schön auf der Terrasse, aber eng. Die Bäume in den Vorgärten sind sehr hoch und dicht geworden – auch unsere Birke und der Holunder neben unserer Terrasse -, gegenüber der steile, bewaldete Berg mit den neuen neuen schicken Appartmenthäusern davor. Wenn ich nach oben blicke, vorbei an Frau Lerches Balkon über mir – ich sehe fast keinen Himmel.

Aber ich kann natürlich über den Berg gehen, und das ist jetzt sehr schön. Da ist ein neuer, wunderschöner Platz: "Lousbergterrasse" genannt, im Rahmen eines umstrittenen sehr teuren Verschönerungsprojekts unserer Stadt gestaltet. Drei Bänke im Schatten, davor in der Wiese eine Plattform aufgeschüttet, mit sechs stabilen Hängematten, aufgehängt an hohen Stahlpilonen. Von dort aus hat man einen wunderschönen Blick hinab über die Wiesen und Weiden. Etwas entfernt steht auch noch ein Kunstwerk in der Wiese: da hat einer eine Anleihe bei Caspar David Friedrich gemacht und den "Wanderer im Gebirge" (oder wie heißt das sehr bekannte Bild noch mal, wo einer auf einem Felsen von hinten zu sehen ist, in die Ferne blickend) in Stein gemeißelt, wie er vom Aachener Lousberg aus über die Soers blickt; selbst der Wanderstock ist dabei.

Da habe ich schon ein paarmal in so einer Hängematte gelegen, in die Ferne und in den Himmel geschaut und mich von der Sonne verwöhnen lassen.

Mein Traum war, dort die Sonne über der Ebene aufgehen zu sehen. Heute früh wollte ich ihn mir erfüllen. Den Wecker auf halb fünf gestellt; für 5:27 war Sonnenaufgang ausgerechnet. Ich war schon um fünf Uhr an dem Ort. In einer der Hängematten lag ein junges Pärchen, das unentwegt quasselte, ein zweites kam später und legte sich in die Hängematte neben mir ohne zu quasseln. Der Himmel war klar, außer am Horizont; da war eine dicke Wolkenbank. Etwas Rosa am Himmel, aber nicht viel, am stärksten weiter rechts hinter Bäumen. Ich sah meinen Irrtum: die Sonne geht hier nicht über der Ebene, auf sondern hinter einem kleinen Waldstück. Trotzdem blieb ich. Ich hatte mir vorgestellt, hier dem Tagesbeginn entgegenzuträumen und zu -schlafen. Aber ich fror; auf der Terrasse war es beim Weggehen 18° gewesen, ich dachte, da brauchte ich keine Jacke. Schließlich stand ich auf und ging den Weg weiter oben hinter dem Caspar-David-Friedrich-"Zitat" (ich glaube so nennt man das in Künstlerkreisen ;-)), und von dort aus konnte ich den schönen roten Sonnenball sehen, schon ein Stück über dem Horizont!

Um die Sonne aufgehen zu sehen, muss ich doch wieder ganz nach oben zu dem Obelisken gehen, wie ich es schon in früheren Sommern gemacht habe.

Ein anderer Traum von mir ist, auf so einer Hängematte mal eine Sommernacht zu verbringen. Wenn das Wetter in den nächsten Tagen, solange ich allein bin, so bleibt, mache ich das vielleicht – allerdings dicker angezogen.

Das ist Sommer. Das genieße ich, sogar das Schwitzen. Letztes Jahr in Island hatten wir zwar auch Sonne, aber das hier nicht.

 

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